Nebelsuppe, Kartoffelsuppe, Blaubeersuppe

Von der Kartoffelsuppe in die Nebelsuppe bis hin zur Blaubeersuppe… und dann noch ab ins Ziel!

Von Scharnitz, wo das Abenteuer gemeinsam beginnt, geht es auf über das wunderschöne Karwendelgebirge bis nach Pertisau, dort, wo das Abenteuer eine Pause einlegt. Ja, eine Pause, denn das Abenteuer geht weiter. 2018 – das Jubiläumsjahr einer wunderbaren Veranstaltung! Auch wenn die Wolken das Sonnenlicht trübten, so strahlten alle Teilnehmer heller als die Sonne.

Es ist kurz vor 06:00 Uhr morgens, die Stille im Ort, kaum Lichter, aber im Startgelände ist die Hölle los! Schnell noch die Pulsuhr gecheckt, Kontrolle der Schnürsenkel und der restlichen Ausrüstung. Mist, hab ich zu wenig mit oder gar zu viel? Brauch ich die Stecken oder stören sie nur? Egal, die letzten Sekunden vor dem Start brechen an. Irgendwie spürt man die Spannung, die Aufregung, den Puls.. er wird höher.

Der Countdown beginnt: 10..9..8.. oh Mann, der Puls schlägt schneller als der zählt…3..2..1.. ein lauter Knall schallt durch den Morgen.. Wer jetzt nicht wach ist, dem ist nicht zu helfen. Es beginnt! Das Abenteuer Karwendellauf – mitten drin statt nur dabei!
Die Menge schiebt sich vor Richtung Durchlauf, es geht los – AUF GEHTS! 2.500 Teilnehmer/innen – die Stimmung passt, die Motivation auch! Begleitet von einem begeisterten Publikum geht’s los, 35 oder 52 km – jeder ist ein Sieger!
Das Wetter ist – trotz der dichten Wolkendecke – entsprechend gut. Es könnte heißer sein, aber nicht jammern, besser als Regen. Wir laufen, walken, reden.. Hoppla, aufpassen, könnte rutschig werden.
Es heißt aufpassen, die Steine sind nass, der Boden feucht, das Wurzelwerk rutschig. Mist, wird wohl nichts mit einer neuen Bestzeit. Egal, bei diesem Wetter heißt es: sicher und gesund ins Ziel kommen hat oberste Priorität, das hab ich meiner Familie versprochen.

Das Karwendelhaus nähert sich. Die heißbegehrte Kartoffelsuppe ist greifbar nahe. Oh Gott, wie die schmeckt! Und gut tut, und überhaupt! Es ist kalt, die Kartoffelsuppe ist genau das Richtige. Nun heißt es, etwas wärmer anziehen! Von der heißen Kartoffelsuppe geht es ab in die Nebelsuppe. Die Beine müssen erstmal wieder warm werden, damit das Bergablaufen klappt.

Ich fange an zu singen, muss mit mir selber lachen: Über Stock und über Stein, aber brich dir nicht das Bein, das hab ich meiner Familie versprochen. Com‘ on Geri, konzentriere dich, der Weg ist diesmal nicht so einfach.

Es läuft gut, langsam lichtet sich das Feld. Auch dieses Jahr sind alle Teilnehmer wieder fair und hilfsbereit. Das ist der Karwendellauf. Sportlich, aber fair. Es geht weiter, oh da war sie doch schon, die Falkenhütte. Ob man über das Schild „nur noch 21km“ lachen oder weinen soll, weiss man nicht, ist ja nur noch ein Halbmarathon, der vor dir liegt.

Die Laune hält, der Schuh sitzt perfekt, weiter geht’s. Es ist super. Zwischen den schweren Atemzügen findet man doch noch ein paar Worte, die man mit anderen Teilnehmern wechselt. Oh, die Eng ist da! Und dieses Mal gehört sie mir! Aus der Nebelsuppe ran an die Blaubeerensuppe. Man überlegt kurz, stehen bleiben, schlemmen, oder geht’s weiter? Die Antwort bleibt nicht lange aus, nachdem man den Becher geleert hat und schon in der Anhöhe zur Binsalm drin ist. Ach, da war doch noch was! Die letzte Anhöhe.

Es wird anstrengend.. und hart. Nicht nur die Anhöhe, auch die Muskeln. Der Wille ist da, ich gehe sicher nicht zurück zur Eng. Es gibt kein Aufgeben, nicht bei mir. Die Wolkendecke ist immer noch da, aber mein Gesicht strahlt heller als die Sonne. Die letzte Anhöhe wurde geschafft, es geht wieder bergab und meine Laune noch weiter bergauf.

Ich weiß was vor mir liegt: die letzten 9km – die kann ich laufen. Eine schnelle WhatsApp-Nachricht an meine Familie. Nur noch 9km – ich bin am Weg.  Ein Blick auf die Uhr. Weiterlaufen. Noch ein kurzer Blick auf die Uhr. Ernsthaft? Bei diesem Wetter? Kann es wirklich sein, dass ich schneller bin als beim letzten Mal? Die Sonne strahlt: und zwar aus meinem Gesicht – auf geht’s! 5 km, der Kopf rechnet, es ist machbar. 3 Km, alles gut, alles läuft. Auch ich.

Ein kurzer Blick nach hinten, alle anderen Gegn äh Mitstreiter sind ein Stück hinter mir. Ich kann das Tempo beibehalten. Nur nicht krampfeln und nur nicht stehen bleiben. Zuschauer feuern weiterhin lautstark an. Das gibt noch einen weiteren Motivationsschub. Ich höre den Zielsprecher, die tobende Menge – wieder dieses irre Gefühl in den Beinen. Von den Zehen aufwärts bis rauf in den Kopf – es kribbelt, das Gefühl, es wieder zu schaffen. Schnell noch eine WhatsApp-Nachricht. Ich bin gleich da.

Der Zieleinlauf! Unbeschreiblich – das Gefühl, es bei diesem Wetter gesund und sicher geschafft zu haben. 26! Minuten schneller als das Jahr zuvor. Unglaublich. Freudentränen machen sich breit. *peep* *peep* WhatsApp: wir sind auf den Weg…ich antworte nur noch: „ich bin doch schon da“… tja, schlechter Handyempfang – was solls! Ich bin im Ziel – die Finisher-Medaille bestätigt es. Man sieht glückliche Finisher, aus Schmerz- werden Freudentränen, unbelievable. Kurz nachgefragt: Der Sieger – Wahnsinn. Es war ein Highlight und ich kann abschließend sagen:

WIR ALLE SIND GEWINNER – egal ob 35 oder 52km.

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