Das war für mich der Karwendelmarsch 2016

Mein Karwendelmarsch

Am Tag des Karwendelmarsches hieß es um 3 Uhr aufstehen um unseren Transferbus zu erreichen. Also Frühstück rein, Kleidung an und los. Im Auto hat sich dann schon die Hochstimmung und Aufregung bemerkbar gemacht. Es war eine gute Entscheidung nicht selbst anzureisen, danke nochmals an Rofan-Reisen für den Tipp. So konnte ich die Stimmung gemeinsam zu dem Event aufzubrechen richtig genießen und in mich einwirken lassen. Meinem Sitznachbarn war meine Begeisterung eher egal, der hat den Schlaf so weit wie möglich bis nach Scharnitz verlängert.

Trotz der frühen Stunde war um 05:00 schon geschäftiger Betrieb, die Wartezeiten waren bis auf bei den Klos nicht nennenswert. Schnell noch ein Starterfoto bei der Fotobox und ab zum Startgelände. Die Wartezeit bis zum Startschuss wurde durch Moderation und Musik verkürzt. Langsam füllte sich auch der Bereich und wir fieberten gemeinsam hin auf den Startschuss. Und plötzlich ging alles ganz schnell, ein Knall und die Menge setzte sich in Bewegung. Auf den ersten 2-3 Kilometern war etwas aufzupassen dass niemand einem mit seinen Stöcken versehentlich am Boden festnagelt, doch dann lockerte es langsam auf. Es war nett zu beobachten, dass man in den verschiedenen Etappen meistens die gleichen Leute trifft. Einmal zieht man vor und dann wird man wieder überholt. So geht es zumeist weiter bis zur nächsten Labe. Schnell ist der erste Versorgungspunkt erreicht und man kann sich auf eine ausgezeichnete Verpflegung freuen.  Ich war mit meiner Frau relativ zügig unterwegs. Die Platzierung der Labestationen war optimal. Die Mitnahme vom Wasserflaschen hätte ich mir trotz der hohen Temperaturen sparen können, vorsichtshalber hab ich es doch dabeigehabt – war zumindest ein weiterer Trainingseffekt.

Wenn man für die Stecke länger braucht ist es aber unbedingt anzuraten selbst Flüssigkeit mitzunehmen. Die Betreuer der Labestationen füllen die Gefäße auch immer gerne nach. Immer wieder musste ich mich wundern wie viele Freiwillige für die Betreuung des Karwendelmarsches gewonnen werden konnten- Danke ohne euch wäre der Event nicht so professionell abgelaufen. Aber ich schweife ab. Das Karwendelhaus war vergleichsweise schnell erreicht – ich habe vorsichtig kalkuliert und war von der Geschwindigkeit überrascht, aber bei einem Event wie dem Karwendelmarsch zieht einen auch die Gruppe mit und so ist mehr Leistung möglich als bei einem Alleingang.

Eine unangenehme Erfahrung musste ich kurz vor der Falkenhütte machen. Ein Teilnehmer hatte auf beiden Fersen bereits blutige Blasen und anstelle sich diese von der Berggrettung frühzeitig versorgen zu lassen zog er es vor einfach weiterzugehen. Ich hoffe für ihn diese Entscheidung hatte keine allzu großen Nebenerscheinungen mit sich gezogen. Betroffen hat mich der Vorfall jedenfalls gemacht.

Der letzte Anstieg zur Falkenhütte hatte es dann schon etwas in sich und so freute ich mich, dass auf dem Weg entlang der Laliderer Wände noch Schatten war und ich etwas abkühlen konnte. Kurz vor der Eng wurde mein sportlicher Ehrgeiz entfacht – ich konnte es noch vor 12:00 schaffen und so legte ich einen Zahn zu. Wenn ich an die Heidelbeersuppe von der Labestation Eng denke komme ich jetzt noch ins Schwärmen. Die Dusche gleich daneben war auch eine nette Idee!

Und schon ging es weiter zur Binsalm – dort hätte ich das Joghurt besser stehen gelassen, aber dafür hatte ich an dem Punkt auch mein positivstes Erlebnis. Kurz nach der Hütte sind wir bei Frau mit einem geschätzten Alter von über 60 vorbeigekommen. Sie war allein unterwegs und hat ein zügiges Tempo vorgelegt. Nicht wenige gut trainierte Männer hat sie auf ihrem Weg hinter sich gelassen. Die Frau war für mich in dem Moment die absolute Heldin und nicht jene die bereits das Ziel erreicht hatten.

Der Weg zum Gramai-Hochleger hatte es noch wirklich in sich. Angelangt, Wadeln mit Steinöl einschmieren lassen und weiter mit dem letzten Abschnitt. Von nun an ging es nur mehr bergab, aber die Steilheit der Wege ist nicht zu unterschätzen. Speziell auf dieser Wegestrecke war ich froh mich nicht für Trailrunningschuhe, sondern für Klettersteigzustiegsschuhe entschieden zu haben.

Auf der Gramaialm ist mir ein Marschkollege entgegengekommen, die Schuhe hatte er ausgezogen und er verkündete der Menge er lasse es hier, er mag nicht mehr. Aber mein sportlicher Ehrgeiz war bereits wieder geschürt. Sicher spürt man die Kilometer, das Auf und Ab in den Gliedern und das besonders in den Muskeln, aber das Ziel ist nicht mehr weit und ich stellte mir die Frage, ob ich es bis 15:00 schaffen könnte. Aber die letzte Wegstrecke zieht sich noch, auch wenn die Steigung nicht mehr nennenswert ist. Bei der Falzturn Alm freue ich mich und besonders meine Oberschenkel nochmals über eine Schwall Steinöl. Jeder weitere Hinweis auf einen geschafften Kilometer spornt wieder an und ist ein Ziel für sich.

Am Ziel angelangt – 15:00 war doch nicht mehr zu schaffen – und mit der Finisher-Medaille um den Hals brauchte ich noch etwas bis sich die Freude über das Geschaffte einstellte. Zuerst ging es einmal darum den Kohlehydrat- und Wasserspeicher wieder aufzufüllen. Aber zum Glück wurden wir auch am Ziel gut versorgt.

Am Tag des Karwendelmarsches war ich mir sicher ich würde sowas nie wieder machen. Meine Einstellung dazu habe ich am Folgetag gleich wieder geändert. Noch mit Muskelkater im Oberschenkel habe ich beschlossen meine Marschzeit bei meiner nächsten Teilnahme zu verbessern. Ich hoffe wir werden dann wieder so ein Kaiserwetter haben wie 2017. Karwendelmarsch ich komme wieder!

Karwendelmarsch 2016 – ein langer Tag

Karwendelmarsch 2016 - ein langer Tag

Beim Karwendelmarsch 2015 mußte ich noch wegen einer Fußverletzung nach 35km abbrechen. Beim diesjährigen Karwendelmarsch wollte ich dann unbedingt die 52km schaffen,schon deshalb weil ich seit 5 Jahren in Pertisau lebe und hier ins Ziel kommen wollte! Beinahe hätte ich das Ziel wieder verfehlt..aber eben nur beinahe..

Um 3 Uhr in der Früh klingelt der Wecker und ich hatte nach dem aufstehen Magenkrämpfe! Nein,aufgeregt war ich nicht, die Magenkrämpfe kamen wahrscheinlich von einem sehr ballaststoffreichen Essen am Tag vorher. Ein Fehler,an ein Frühstück war nicht zu denken, nur eine Tasse Tee. Um 4Uhr15 dann die Fahrt nach Scharnitz zum Startort. Die Magenkrämpfe wurden schlimmer und Menschen-Schlangen vor den Toiletten länger. Meine Stimmung war auf dem Tiefpunkt und ich war froh als es um 6 Uhr endlich los ging.

Schon nach einem Kilometer mußte ich wegen der Magenkrämpfe ins „Gebüsch“ was sich bis zur ersten Verpflegungsstation noch mehrmals wiederholte. Das alles kostete Zeit und damit war für mich auch die „Zeitenjagd“ auf ein gutes Ergebnis erledigt. Der Frust saß tief! Die erste Verpflegungsstation ließ ich links liegen da es immer noch im Magen rumorte. Meine Stimmung hellte sich dann etwas auf als ich am Kleinen Ahornboden einige Radlfreunde traf welche ein Teil der Strecke auch einmal zu Fuß bewältigen wollten und nicht wie sonst mit dem Mountainbike. An der Falkenhütte gab es dann Hafersuppe,Brot,Obst und das erste Weissbier alkoholfrei. Beim Austausch von neuen Radtouren und fachsimpeln vergaßen wir etwas die Zeit bis einer uns auf das Zeitlimit in der Eng aufmerksam machte. Es war kurz nach 13 Uhr,also nichts wie los! Wir sind durch die Kontrolle ganze 9 Minuten vorher! Für meine Radlfreunde war im Engtal (35km Zwischenziel) Schluß, Sie setzen sich in den Biergarten neben dem Eventgelände um auf den nächsten Transferbus zu warten. Ganz ehrlich, ich mußte mit mir kämpfen,ich war kurz davor auch hier abzubrechen und mich mit in den Biergarten zu setzen!Wolkenloser Himmel und inzwischen über 30 Grad, die Beine schmerzten und jetzt kam noch der schwierigste Teil,hoch zum Gramaihochleger! Ca.6km und ca.700 Höhenmeter bis zum Sattel! Der helle Wahnsinn!

 

Manche werden darüber milde lächeln,für mich (Jahrgang 53) der mit dem Mountainbike mehr in den Bergen unterwegs ist als zu Fuß alles andere als ein Pappenstiel!Man muß alle Läufer bewundern die hier „hochrennen“!Ich machte mit mir einen Deal: An der Binsalm werde ich entscheiden,ob weiter oder umkehren! Am Weg zur Binsalm kam aber dann die „Rettung“. Ich wurde von zwei jungen Burschen eingeholt die mich fragten ob alles in Ordnung ist. Das besondere und durchaus lobenswert, sie waren vom Veranstalter und schauten nach den Teilnehmern die noch auf den restlichen 17km unterwegs waren. Es wurde nicht nur motiviert, sondern auch mit Wasser versorgt und so manchem mit Krämpfen oder einer Zerrung geholfen um bis zum Sattel zu kommen! Alle Daumen hoch für die Organisation und den Helfern!!! Vielen Dank! Die letzten 200 Höhenmeter erinnerten mich an meine Radltour hoch zum Stilfser Joch. Damals fuhr ich auf den letzten 3 Kilometern buchstäblich auf dem Zahnfleisch und fuhr von Markierung zu Markierung, noch 3200m- noch 3100m… auch hier ging ich Schritt um Schritt von Kurve zu Kurve die ich mir vorher gemerkt hatte. Die Serpentinen wollten einfach nicht enden… !

Als ich dann endlich oben am Sattel stand und unten die Verpflegungsstation am Gramaihochleger sah wußte ich, ich habe es geschafft!! Jetzt geht es nur noch bergab! Noch ein Weissbier an der Alm,das hatte ich mir verdient,ging es hinunter zur Gramaialm. Dort nochmals die Trinkblase aufgefüllt und welches Wunder,die Beine fühlten sich wieder gut an! An der Sennhütte/Falzthurntal saßen Bekannte,ein Schnapserl mit ihnen und weiter gings. Als ich dann in Pertisau in die Straße die zum Ziel führt eingebogen bin waren alle Strapazen und Schmerzen vergessen! Es war einfach ein gutes Gefühl durch den Zielbogen zu gehen!!! Was mich ganz besonders freute, Schatzi wartete auf mich….

Fazit: Top Veranstaltung, grandiose Landschaft, unterwegs Super Stimmung! Eigentlich ein MUSS für jeden Berggeher! Nächstes Jahr bin ich wieder dabei,allerdings mit entsprechender Vorbereitung und auf „Zeitenjagd“! Eventuell mit einem von meinen Enkeln….

(Mein Videoclip von unterwegs https://www.youtube.com/watch?v=p6Fq7KOx3Lw oder bei FB auf meiner Fotoseite „Wadiki Pics“)

Gedicht – Als Dank für die exzellente Verpflegung

Gedicht - Als Dank für die exzellente Verpflegung

kiefer inge startnummer 287

Karwendel Karwendel
Vor mir hast du dich versteckt
Deine Schönheit bedeckt
Mit Nebel Wolken Regen aber Das ist dein Segen

Deine Anmut deine Grosse nigen’s gabst du eine Blöse
Felsen Almen Wald auf Höhen warst du kalt
Dein Wind streifte meine Wangen erfrischt
konnte ich zu Tale gelangen um erneut steile Pfade zu erklimmen nach weiter Oben,

vor Freude singen und jodeln aus voller Brust Karwendel,du erfüllst Herzenslust vieler Tage Sehnsucht nach dir nun heute , jetzt und hier ist meine Seele voller Glück – ich komme bald zurück ……

Abenteuer Ultra Trail

Karwendelmarsch 2014: “Die Legende lebt”

Wer oder was ist der Karwendelmarsch?

Das Karwendel ist eine Gebirgsgruppe der Nördlichen Kalkalpen. Es liegt zum größeren Teil in Tirol, zum kleineren in Bayern. Bedeutende Orte sind im Westen Seefeld in Tirol und Mittenwald, im Osten Pertisau und im Süden Innsbruck. Der legendäre Karwendelmarsch, der Langstreckenwanderern, Nordic Walkern und Läufern ein ganz besonderes Natur- und Sporterlebnis bietet, wurde in diesem Jahr das 6. Mal durchgeführt.

Vom Startpunk Scharnitz (Höhe 967m) geht es über die Larchetalm, Karwendelhaus, Ladizalm, Falkenhütte, Eng,  Binsalm, Gramai-Hochleger und Gramaialm bis hinunter nach Pertisau (932m) am Achensee. Der höchste Punkt ist am Binssattel/Gramaisattel auf 1903m. Der Karwendellauf (52 km mit Zeitmessung), Karwendelmarsch (52 oder 35 km), Karwendel Nordic Walking (52 oder 35 km) geht über eine Strecke mit einem Höhenunterschied von 2280 Metern im Aufstieg.

Nachdem ich im Frühjahr den Marathon in Wien und Hamburg gelaufen und mich für den München-Marathon im Oktober angemeldet habe, brauchte ich eine neue Herausforderung! Da wir unseren Sommerurlaub mit der Familie in Österreich verbringen wollten, sprach alles für einen Trail-Lauf. Und wenn schon was neues, dann auch gleich Ultra, also eine Länge von mehr als 42km.

Meine Frau las durch Zufall im Internet vom Karwendelmarsch, von dem ich bis dato nichts gehört hatte. Es hörte sich sehr interessant an; also wurde angemeldet. So reisten wir mit der Familie ein paar Tage vorher an, um die Gegend kennen zu lernen. Am Tag vor dem Rennen habe ich schon mal den ersten Streckenabschnitt gelaufen. Und merkte gleich, die Steigungen hier sind doch etwas steiler, als im Harz, wo ich am Wochenende schon mal trainiert hatte.

Der Renntag
Morgens um 4:30 Uhr klingelte der Wecker. Ich schaute aus dem Fenster. Das Wetter war nicht so schön wie am Vortag. Oder wie beim letzten Karwendelmarsch 2013. Nein, eher so wie die Jahre davor, Regen, Nebel und recht frisch für den August. Aber egal, ich war wegen der neuen Herausforderung hier. Schnell habe ich mich gewaschen, bin in die vorbereiteten Laufklamotten geschlüpft und hinunter in die Hotelrestaurant  zum angebotenem Läuferfrühstück. Danach die Familie verabschiedet und hinüber zum Start, der sich genau gegenüber vom Hotel befand.

Pünktlich um 6 Uhr starte der Lauf mit einem lauten Knall aus einer Kanone. Wohl jeder in Scharnitz war jetzt wach. Unter Blitzlichtgewitter ging es durch den Ort, nach einem Kilometer der erste Anstieg, den ich ja schon vom Vortag kannte. Er zog sich über drei Kilometer hin und das um diese Uhrzeit, puuh…! Danach geht es bis zur ersten Labe Station (Verpflegungsstelle) nur langsam bergan. Ich habe mich bei diesem Lauf dafür entschieden, mit meinem Rucksack zu laufen, in dem sich eine 1,5 Liter große Trinkblase befand und einige Gels und Riegel.

Die Verpflegung
Eigentlich brauchte man für diesem wunderbar organisierten Lauf und seinen 10 Labe Stationen keine eigene Verpflegung. Es wurde alles aufgeboten; geschmierte Brote, Wasser, Tee, Bananen, Äpfel und später auch noch warme Suppen. Alle Speisen kamen aus der Region und standen unter dem Bio Gütesiegel. Mit meinem Rucksack fühlte ich mich aber etwas unabhängiger und konnte dann trinken, wann ich wollte. So ließ ich die erste Labe schnell hinter mir und machte mich auf den Weg.

Zur nächsten Station beim Karwendelhaus geht es rund 600 Höhenmeter rauf. Erst moderat, dann immer steiler, so dass es vom Laufen in ein schnelles Gehen übergeht. Es hat zwischenzeitlich mal kurz aufgehört zu regnen und so kann ich von oben ins Tal schauen, wo sich etliche Läufer und Wanderer wie an einer Perlenkette aufgereiht, dem Ziel entgegen strebten. Am Karwendelhaus weht ein frischer Wind. Schnell verpflegt und weiter.

Es geht bergab
Auf den nächsten 7 Kilometern geht es rund 500 m hinunter. Der Weg besteht aus Geröll und ist sehr rutschig. Trotzdem gebe ich Vollgas! Das was ich bei der letzten Steigung verloren habe, hole ich nun wieder auf. Manchmal habe ich aber schon Angst, mich bei dem hohen Tempo auf dem Untergrund zu überschlagen. Aber meine Trittsicherheit lässt mich nicht im Stich.

Kaum unten angekommen, man sollte es ahnen, geht es wieder steil an zur Falkenhütte auf 1848 m. Sie scheint nur schwer erreichbar zu sein, denn die Steigung hat teilweise mehr als 20%. So manches Mal frage ich mich, welches Fahrzeug soll denn auf solchen Wegen fahren? Dann geht es auf einem Wanderweg weiter, in dem alle paar Meter Holzbalken als Stufen eingebaut sind. Wie viele habe ich nicht gezählt, aber es waren viele. Bei der Hütte angekommen, bediene ich mich schnell am Buffet und laufe weiter. Jetzt kommt ein Abschnitt der mir richtig gut gefällt, Downhill. Ich springe über Steine, laufe links, rechts und überhole einige Läufer. Was für ein Spaß!

Ein ständiges Auf und Ab
Unten angekommen geht es zur Labe im Almdorf Eng. Dieses Mal lasse ich mir mehr Zeit mit der Verpflegung. Nun kommt das härteste Stück Arbeit, der Aufstieg auf den Binssattel von 1227 auf 1903 Metern. Die ersten zwei Kilometer geht es über einen sehr steilen Forstweg, dann über Bergpfade, die dank des Regens recht rutschig sind. Ich kann meine Beine zum Laufen überreden. Sie hätten sich aber bestimmt über Bergstöcke gefreut, die sie ein wenig entlastet hätten. Beim nächsten Mal nehme ich sicher die Stöcke mit! Als Zwischenetappe kommt auf 1502 Meter die Binsalm. Schnell Energie tanken, ein kleines Päckchen Salz in den Mund und mit Tee hinunter gespült. Weiter geht es, noch 400 m Anstieg!

Naturkunde am Karwendel
Ich schaue nach oben und frage mich, was dort für Ameisen laufen? Nein keine Ameisen, Läufer, die sind nur so weit weg. Ohh… man, da muss ich noch hoch. Es sind gefühlte 50 Kehren, über den Weg läuft Wasser, ich springe über Wurzeln und Geröll, klettere über Steine. Ich mache mir Gedanken, wie es hier wohl aussieht, wenn die letzten Wanderer diesen Steig passiert haben. Immer wieder lasse ich Läufer vorbei, die einfach das kraxeln gewohnt sind. Ab und zu lehne ich mich an den Hang und muss ein wenig verschnaufen. Dabei werde ich immer wieder von Vorbeiziehenden gefragt, ob alles ok ist. Als Antwort reichte dann nur: „Ich komme aus Norddeutschland!“ Dann bekam ich immer ein Lob: „Und dann schon so weit, Super!“ Langsam wurde es ein Kampf mit meinem Ego.

Plötzlich, wie aus dem Nichts, als ich mich gerade zwischen zwei Kiefern hindurch zwängte, bekam ich ein Bild, das ich nie vergessen werde. Ich hatte einen Blick ins Tal und sah den Gramai Hochleger, nun habe ich den höchsten Punkt erreicht. Hier wurden alle von Mitarbeitern der Bergrettung begrüßt. Von hier aus geht es nur noch bergab. Noch schnell an der Labe Station erfrischt und weiter. Kurz danach kommt mir eine Frau entgegen; sie grinst mich verschämt an. Im letzten Augenblick sehe ich, wie ihr ein wenig Blut über das Gesicht läuft! Später habe ich sie im Zielbereich mit einem „Turban“ auf dem Kopf gesehen. Ich laufe weiter, aber ich denke daran, was wäre, wenn ich bei meinen rasanten Downhills mal ins Stolpern geraten wäre?

Die letzten Reserven
Egal, keine Zeit für sowas.  – Ich gebe Gas, werde immer schneller. Immer wieder kommen matschige Passagen, in denen die Füße mehr als knöcheltief versinken. Mein Adrenalinspiegel ist hoch. Meine Beine überschlagen sich fast. Es ist meine Disziplin. Im flachen Gelände kann ich trotz der gelaufenen Kilometer noch etliche überholen, was sich später noch auszahlen wird. Wir laufen über Wege aus Schotter, dann eine Straße und plötzlich ein Ortschild: Pertisau am Achensee! Juhu, gleich ist es geschafft. Kurz vor dem Ziel begrüße ich noch meine am Straßenrand auf mich wartende Familie.

Das Ziel vor Augen
Dann durch eine kurze Gasse, der Sprecher nennt meinen Namen. Es ist vollbracht, ich habe meinen ersten Ultramarathon geschafft und das bei solch einem Trail-Lauf! Ich bin überglücklich und bekomme ein dickes Lob von meinem 5-jährigen Sohn! Auf dem Weg zur Dusche gehe ich an einer Infotafel vorbei. Dort hängen die ersten 200 Platzierungen. Und siehe da, dank meiner rasanten Aufholjagd auf den letzten 8 km habe ich noch den 199. Platz von 514 Finishern erreicht. Mit eine Nettozeit von 6:34:32 Stunden.

Auch wenn bei einem derartigen Lauf die Platzierung eher in den Hintergrund tritt, ist sie für mich bei meinem Debüt schon zufriedenstellend. Am nächsten Tag hatte ich nur ein wenig Muskelkater, der aber schnell verflog. Den anschließenden  Sommerurlaub in Österreich habe ich mit der Familie richtig genossen. Nun plane ich schon fürs nächste Jahr nach dem Hamburg-Marathon und Rennsteiglauf in Thüringen, im Sommer meinen nächsten Ultra-Trail, wobei der Karwendelmarsch wahrscheinlich aus terminlichen Gründen wegfällt.

Mein Fazit:

Mein erster Ultra war ein voller Erfolg! Der Karwendelmarsch ist echt toll. Die Organisation, die Stimmung, die Leute, die Verpflegung, die Landschaft (auch wenn Regen und Nebel vieles nur erahnen ließen). Einfach unvergesslich! Ich komme sehr gerne wieder!

Als Tipp für diejenigen, die diesen Lauf auch mitmachen möchten: trainiert Ausdauer, und möglichst Steigungen. Ich würde auf jeden Fall zusätzliche Flüssigkeit mitnehmen, so kann man immer dann trinken, wenn man es braucht. Sehr wichtig sind auch Trailschuhe mit einem griffigen Profil. Nicht unbedingt ein Muss, aber bei einigen Passagen eine gute Unterstützung sind Bergstöcke.

Mit dem Rad zum Karwendelmarsch

Geboren wurde die Idee vor Jahren, als ich noch mit meinem Freund wochenweise Jahr für Jahr nicht nur durch die Alpen streifte. Auf irgendeiner Hütte wurde dann über die Karwendel Querung gesprochen und über die Verrückten die so etwas tun. Da war der Samen der Idee es auch mal zu tun gesäht. Der Reifeprozess dauerte sehr lang, weil man immer etwas anderes im Leben vorhat und sich zu selten die Zeit für sich selber nimmt. In diesem Jahr hat es sich ergeben, dass die letzte Woche im August für eine ausgiebige Radeltour und als Krönung des Ganzen die Absolvierung des Karwendelmarsches möglich schien. Also packte ich letzte Woche am Freitag meine Packtaschen und fuhr los. Main, Tauber, Donau, Amper, Isar begleiteten mich auf meinem 670 Km langen Weg nach Leutasch um nun morgen um 6 Uhr in Scharnitz am Start stehen zu können.