52 km für Kurzentschlossene

52 km für Kurzentschlossene

Mein erster Bergmarsch nach vielen Hinternissläufen -soll ich oder soll ich nicht? Ok ich mache das gemeinsam mit meiner Freundin. 35 km das packen wir zu zweit.

Das waren meine Gedanken im Mai 16 und schon war ich angemeldet. Mit meinem Team RUNTERRA begann die Zeit der Vorfreude und der Vorbereitung. Tolle Monate mit mehrfachen Trainingseinheiten mit dem besten Team der Welt ??‍♀️??.

Spannend war in dieser Zeit auch meine Gedankenwelt: Kann ich das schaffen? Wird das Wetter passen? Was esse ich den Tag über? ….

Tja und dann stand ich am 27.8. endlich in Scharnitz und holte meine Startunterlagen ab. Ganz aus dem Bauch heraus meldete ich mich auf 52 km um. Unter dem Motto: 52 km schafft man mit dem Kopf und nicht nur mit den Beinen!!! Mein yogischer Weg wird mir helfen.

Es war unbeschreiblich und eines meiner intensivsten Sportevents mit der besten Kulisse ever.

Ja und es stimmt, ab dem Zeitpunkt als ich meine Freundin in der Eng verabschiedete, war ich lange Zeit für mich und in meiner yogischen Denkweise. Schritt für Schritt, Mantra für Mantra, kam ich voran, um am letzten Berg ganz liebe Freunde zu treffen.

Grosse Dankbarkeit erfüllte mich im Ziel.

– 52 km- das schafft man mental und das Ergebnis ist eine wundervolle Energie, die mir sehr lange im Herzen bleiben wird.

Es war die Hölle und Himmel zugleich

Es war die Hölle und Himmel zugleich

Beim Start einfach super, das Wetter der Wahnsinn und das ganze drumherum sensationell. Am Anfang hat alles super gepasst. Beim ersten langen Flachstück habe ich aber, bis heut noch keine Ahnung warum, die erste Blase gespürt. Nach dem Anstieg versuchte ich es mal mit einem Blasenpflaster, aber das hielt genau 10 sec. Also Zähne zusammen beissen und weiter. Jeder Schritt wurde zunehmend zur Qual, aber die Landschaft, die Aussicht und die anderen Teilnehmer trieben mich noch an. Wenn ich aber gewusst hätte, was mich nach der Eng noch erwartet, hätte ich mich in den Bus gesetzt.

Die Schmerzen waren schon sehr groß, aber ich sagte mir, einmal den Karwendelmarsch machen und dann nie wieder. Also ging es weiter und das war schon recht brutal der Rest der Strecke. In der Gramai dachte ich mir, das ich es fast geschafft hatte, aber diese 9KM waren der Punkt auf dem I. Als wir dann nach über 11 Std. im Ziel waren, also dieses Gefühl, unbeschreiblich. 2 Tage danach, waren ich und meine Frau schon wieder am überlegen, wie wir die Zeit im nächsten Jahr verbessern können.

Karwendelmarschfinish mal anders……

Karwendelmarschfinish mal anders......

Das Projekt Karwendelmarsch….ein Projekt, mit dem ich alle emotionalen Höhen und Tiefen durchgemacht habe. Der 1. Versuch war im Jahr 2013. Brav angemeldet merkte ich bald, dass eine Teilnahme für mich wohl schier unmöglich ist. Der Grund dafür – akutes Übergewicht…14 Tage vor dem Start musste ich so ehrlich zu mir sein und eine Teilnahme wieder absagen – tief depremiert es nicht schaffen zu können. Nochmals sollte mir das nicht passieren und ich meldete mich für das Jahr 2014 an. Mit stolzen 50kg weniger! im Gepäck startete ich in strömenden Regen mein Projekt Karwendelmarsch. Persönliches Ziel? einfach nur ins Ziel kommen. 20 Minuten nach dem Start waren wir dank des Wetters alle gut durchgeweicht und schländerten im Matsch und Nebel dem Ziel entgegen. Nach 10h10 war es geschafft. Müde aber extrem stolz mein Ziel erreicht zu haben.

Doch dann ging das Ding mit dem Ehrgeiz los. 10h10….das muss doch schneller gehen. Einfach nur unter 10h bleiben wäre schon cool. Also gleich für 2015 anmelden und sich ein bisschen darauf vorbereiten. Diesmal war das Wetter perfekt und die Motivation extrem hoch. Brav ins vordere 1/3 reingedrängt und gleich hinter den Läufern gestartet. Natürlich brav die ersten 10 Kilometer mitgelaufen und dann einfach alles gegeben. Der Plan ging voll auf. Zwischen drin mal eine kleine Hochrechnung und mit einer Zeit von ganz knapp über 8h wurde gemunkelt :-) viel besser als jemals erwartet. Doch dann kam der Aufstieg von der Binsalm. Da machte sich ein gewisses Knie bemerkbar. Es zwickte ganz schön – was ich aber auf eine Überlastung schob. Ok, die Zeit passt und ich erlaub mir einfach eine Pause am Übergang zum Gramai Hochleger….dann sind die letzten km bis ins Ziel kein Problem. Vorallem warten ja Kinder, Mann und Oma auf der Gramaialm zum anfeuern…

Voller Motivation geht´s hinab Richtung Hochleger. Die nächste Labestation schon in Sichtweite und Plötzlich dieser Schnalzer im Knie…..Ui das war wohl gar nicht gut. Nicht nur dass das Knie sich nicht mehr abbiegen lies, nein, man konnte auch zusehen, wie es im Sekundentakt anschwoll. „Jetzt ist wohl was gscheid hin“ hab ich mir noch gedacht. Runter von der Strecke und auf einen Stein um mich mal kurz zu sammeln – dass ein weitergehen unmöglich ist, war mir sofort klar. Die Emotionen was in diesem Moment kommen sind furchtbar – die Enttäuschung grauenhaft. Jetzt ist man endlich da wo man gerne sein würde – hat sein Ziel zum greifen nah und dann ist wieder alles aus.

So und nun? Der nächste der ums Eck kommt muss mir Hilfe organisieren. Die Hilfe kam in Form der Bergrettung vom Gramai Hochleger mit Bergetrage und einer ordentlichen Portion Aufmunterung (was für die Männer wirklich nicht leicht war ;-)

Sie packten mich gut ein, brachten mich erstmal zur Alm, versorgten mich hervorragend und machten mich dann zum Abtransport ins Tal bereit. Dies war eine äusserst Schweißtreibende Angelegenheit für die Jungs, hatte es doch hochsommerliche Temperaturen. Trotz des weiten Weges und der Anstrengung sorgten Sie dafür, dass ich die Schmerzen ein wenig vergesse und bei Laune bleibe.

Auf der Gramaialm erwartete mich meine Familie, welche über Funk bereits ausfindig und verständigt wurde. Zur großen Überraschung kannte mein Mann noch einen Teil der Mannschaft, da sie gemeinsam auf Bergrettungsausbildung waren.

Der Besuch im Krankenhaus bestätigte dann das Drama und das Seitenband im Knie war gerissen….

Fazit: Aufgeben gibt’s nicht und für das Jahr 2017 ist eine Teilnahme wieder fix.

Besonders gefreut hat mich heuer im Sommer, dass einer der Bergrettungsmänner vom Abtransport mich im Sommer auf unserer Hütte besuchen gekommen ist. Damit habe ich nicht gerechnet. Die Freude war riesig.

Ein rießiges Dankeschön nochmals an die Jungs der Bergrettung – ihr wart meine Helden.

Karwendelmarsch 2016 – eine heisse Geschichte!

Eine heiße Geschichte!

Wenn um 6 Uhr morgens, noch vor Sonnenaufgang, 2500 Menschen in einem verschlafenen 1400-Seelendorf in Tirol auf einen Kanonenschuß warten und dann wie die Bekloppten Richtung Karwendel lostraben, dann ist’s Karwendelmarschzeit.

So war es auch an diesem 27. August 2016, einem Samstagmorgen, der als einer der heißesten Tage prognostiziert war.

Die 8. Auflage dieses Karwendelmarsches war für mich die Premiere. Angemeldet für die 52 km ging ich an den Start. Aber first things first.

Bestritten habe ich den Karwendelmarsch gemeinsam mit meiner Freundin Nina, eigentlich wären wir eine Dreierriege gewesen, aber unser dritter Mitstreiter hatte sich kurz vor dem Marsch verletzt und konnte deshalb leider nicht mitkommen (nächstes Jahr!!!). Am Freitag Abend, nachdem wir bereits Startnummern geholt, ein Eis geschlabbert und zu Abend gegessen hatten, war ich unglaublich nervös. Während ich versuchte meinen Rucksack zu packen, wurden meine Hände fahrig und die Worte sprudelten nur so aus mir raus – ein sicheres Anzeichen für extreme Nervosität. Meine Ausrüstung wurde immer mehr, weil ich Angst hatte für irgendeinen Zwischenfall ggf. nicht gewappnet zu sein. Nachdem ich dann telefonisch angewiesen und dazu bewegt wurde etwa die Hälfte wieder auszupacken, hieß es Augen zu und schlafen. Zumindest theoretisch. Praktisch war ich alle halbe Stunde wach. Die liebe Aufregung. Bereits vor Klingeln des Weckers kroch ich müde unter die Dusche (Verschwendung!), zog meine Sachen an, schnappte mir die Ausrüstung und auf ging’s ins Abtenteuer Karwendelmarsch.

Nach einer kurzen Shuttlebusfahrt am Start angekommen war es sehr voll. Sehr laut und ich sehr müde. Gleichzeitig sehr aufgeregt. Um 6 Uhr vermeldete ein Kanonenschuss den Start und zack schob sich Unmengen von Menschen durch den Start auf den Forstweg und immer weiter.

Bis zur ersten Labestation, dem Schafstallboden, nach knapp 10 km wollten wir laufen, weshalb es im Zick Zack um die Menschen ging. Gottseidank lichtete sich irgendwann das Feld und wir konnten tatsächlich laufen. Bei KM 7 war bei mir das erste Mal ein wenig die Puste raus. Ich begann etwas zu gehen, lief an, ging ein wenig, lief wieder an. Irgendwie trabten wir trotzdem gemeinsam bis zur ersten Verpflegungsstation. Gefühlt dauerte es ewig, tatsächlich haben wir für diese 9.5 km etwa 1.5 Stunden gebraucht. Die Landschaft war allerdings einfach atemberaubend, es dämmerte und das verlieh dem Ganzen so einen Hauch Magie.

Der folgende Anstieg zum Karwendelhaus traf mich dennoch unvorbereitet. Aufgrund meines Asthmas hatte ich mir vorgenommen alle 2 Stunden einen Stoß des Asthmasprays zu nehmen um nicht wie beim mozart 100 mit nem Asthmaanfall dazustehen. Eine gute Strategie,  aber aufgrund von Aufregung gepaart mit der Anstrengung musste ich zeitweise wirklich Tempo rausnehmen, da sich dieses verheißungsvolle Brennen in den Atemwegen ankündigte, was einem Asthmaanfall vorausgeht. Im Hinblick auf die noch kommenden Herausforderungen auch die einzig richtige Entscheidung. Nina war zu diesem Zeitpunkt bereits schneller als ich, wartete aber immer nach ein paar hundert Metern und ließ mich nicht aus dem Blick.

Angekommen am Karwendelhaus wurde mir von Nina schon ein Becherchen Tee entgegengestreckt und auch Sabine und Lisa, die zwei Mädels, die wir am Vortag zum Eis essen getroffen hatten und Julia, die ebenfalls aus München angereist war, standen beisammen und schnabulierten. Ich nahm mir von den selbst gemachten Energieriegeln (neben diesen gab es noch Kartoffelsuppe, Wurst- und Käsebrote sowie Bananen und Äpfel – und alles Bio! Da muss man definitiv erwähnen, dass die freiwilligen Helfer einen unfassbaren Job ablieferten, großes Kino!) und füllte den Flüssigkeitshaushalt auf.

Nächster Stop: kleiner Ahornboden auf 1399 m. Der Downhill war gut laufbar. Als ich zwischendurch auf die Uhr schaute um meine Pace zu kontrollieren wurde mir bewusst, dass gerade über 21 km und damit Halbmarathondistanz geschafft war. Zu dem Zeitpunkt zwickte der linke Knöchel etwas, da ich blöd aufgekommen und leicht umgeknickt war. Ergo Stecken und Tempo raus. Kann man nach 21 km schon mal machen. Als das weiße Verpflegungszelt am kleinen Ahornboden in Sichtkam,  freute ich mich bereits auf frisches Wasser und warmen Tee. Dort angelangt beratschlagten wir das weitere Vorgehen, schnell war klar, dass sich unsere Wege nun trennen würden. Nina hatte definitiv mehr Power und ich bremste sie aus, obwohl ich probierte mitzuhalten. Wir wünschten einander Bergheil und dann hieß es jeder in seinem Tempo voran. Es waren noch 11 km zum Zwischenziel in der Eng und ich hatte ein Tief. Das Wissen, dass ein knackiger Anstieg zur Falkenhütte auf 1848 m folgen würde – noch dazu in praller Mittagssonne – machte es nicht besser. Am ganzen Körper floss mir der Schweiß herunter, die Sportklamotten klebten an mir wie eine zweite Haut und den Mitstreitern ging es nicht anders. Etwa 450 Höhenmeter mussten wir alle bewältigen und nicht selten wurde geflucht und gestöhnt. Ich traf Sabine und Lisa wieder und schloß mich ihnen an, die beiden haben definitiv dafür gesorgt, dass ich es dort hoch schaffte, denn meine Motivation war zu diesem Zeitpunkt höchstens als minimal zu bezeichnen. Vielen vielen vielen Dank dafür!

An der Falkenhütte begab ich mich ohne Umwege in den Schatten, jede noch so kleine Abkühlung war äußerst willkommen. Erstaunlicherweise zeigte mir ein Blick auf die Uhr, dass ich ganz gut in der Zeit liege, also flugs Flaschen aufgefüllt, ein Gel runtergewürgt und auf gings mit den Mädels zusammen hinab in die Eng.

Auf diese Passage hatte ich mich gefreut. 4.8 km – easy peasy downhill war die Annahme. Vor meinem inneren Auge sah ich mich um spätestens 13 Uhr in der Eng eintraben – noch relativ fit und mit viel Power für das restliche Drittel der 52 km langen Strecke.

Oh, wie habe ich mich getäuscht. Die folgenden  4.8 km waren nämlich die pure Hölle. Der von mir heiß erwartete Downhill tat weh. Richtig weh.Es war geröllig, teils unwegsam und meine Knie schrien nur noch nach einer Pause. Jeder Schritt wurde zur Tortur. Gegen 13 Uhr war die Eng immer noch nicht in Sicht und unsere Laune sank. Ein Läufer in der Nähe teilte jemandem am Handy mit, dass es bis in die Eng noch etwa 4 km sein mussten und er mit mindestens einer Stunde rechnete, bis man da sei.  Das war der Punkt, an dem ich kurzzeitig daran dachte mich wie ein kleines Kind auf den Weg zu schmeissen, mit allen Gliedmaßen wild um mich zu schlagen und zu schreien. Zumindest in meinem Kopf machte diese Vorstellung äußerst viel Sinn.

Scheiße, scheiße, scheiße. Mein ganzer Körper tat weh. Meine Schultern schmerzten, der Nacken tat weh, weil man durch die Bodenbeschaffenheit gezwungen war auf jeden Schritt zu achten. Die Sachen klebten unerbärmlich am Körper, die Haare klatschnass und über die Psyche, ach von der rede ich lieber nicht weiter. Kurzum: mir gings nicht gut, innerlich hatte ich kapituliert und war bereit in der Eng aufzuhören – ooooh ich war sowas von bereit.

35 km sind doch auch was. Warum weiter quälen? Warum den Körper völlig zerstören, wenn man bei 35 km aufhören und erhobenen Hauptes nach Hause zuerückkehren kann? Während ich mich selbst für den Entschluss verfluchte für so eine Höllenqual Geld zu zahlen, war das Ziel in der Eng mein Motivator weiterhin einen Fuß vor den anderen zu setzen. Erschwerend kam hinzu, dass mein Magen beschlossen hatte mich auf die Probe zu stellen. Es grummelte und gluckerte und fühlte sich nicht gut an. Der Bauch tat weh und ein drohendes Unheil trieb mich weiter bergab Richtung Eng.

Nach 7:30 h endlich durchs Ziel in der Eng hieß es kurz verschnaufen. Aus der kurzen Verschnaufpause wurden in meinem Fall 35 Minuten Aufenthalt, da ich mich zwangsweise etwas länger auf dem stillen Örtchen aufhalten musste. Meine Nerven lagen blank, der Wille jetzt noch 17 km weiterzulaufen äußerst gering.Irgendwo in meinem Inneren regte sich aber eine kleine Stimme, die leiste flüsterte, dass ich es irgendwie schaffen kann.Ich wollte diese verdammten 52 km hinter mich bringen und mir selbst beweisen, dass es möglich ist. Dass mein Wille so stark ist, dass eine Durchquerung des Karwendels zu Fuß funktioniert. Etliche Gedanken rasten durch mein Hirn und langsam aber sicher wurde ich zuversichtlich. Ich würde alles geben. Scheiß auf die Schmerzen, scheiß auf die Erschöpfung, ich war nicht gekommen um auszusteigen, wenn sich mir ein Hindernis in den Weg stellt. Solang ich einen Fuß vor den anderen setzen konnte wollte ich weiter. Nachdem sich der Sturm in meinem Hirn und auch in meinem Magen gelegt hatte, nahm ich Brühe und Heidelbeersuppe zu mir und würgte ein weiteres Gel hinunter. An feste Nahrung konnte ich nicht denken, die flüssige Energie musste reichen.

Um 14:20 Uhr, also 10 Minuten vor der Deadline zum Passieren der Eng setzte ich meine Reise fort. Hoch zur Binsalm – 3.5 km und etwa 300 Höhenmeter. Ich ging langsam aber beständig bergauf. Tap Tap Tap. Schritt für Schritt. Im Hinterkopf immer der Gedanke, dass Aufgeben jetzt keine Option mehr war. Leicht war es nicht, aber mit jedem Schritt war ich dem Ziel näher und so trieb ich mich voran. Nach 35 Minuten angekommen. Dankbar löffelte ich ein wenig Joghurt, trank wieder etwas und freute mich, dass die vielen Helfer noch so gut gelaunt waren um uns sogar ein wenig zu bespaßen. Dann ging es weiter bergauf.

Zu diesem Zeitpunkt war ich guter Dinge..hoch zum Gramai Hochlegers waren es „nur“ nochmal etwa 400 Höhenmeter, sollte passen.

Dann fiel mein Blick auf den vor mir liegenden Anstieg. Auf ihm eine schier nicht enden wollende Anreihung von Serpentinen, auf diesen eine Menschenkette. Oh holy shit. DA (!) ging es hoch. Die Sonne brannte gnadenlos auf dieses Stück Berg. Die Beine auf einmal bleischwer, ein Fluch bahnt sich den Weg über meine Lippen und fast rollt eine Träne mir die Wange herunter. Aber nein, es muss weitergehen, also „Tap Tap Tap“ – einen Fuß vor den anderen. Ich hatte mir fest vorgenommen einfach langsam Schritt für Schritt ohne Pause diese Serpentinen zu erklimmen. Ganz fest. Fester als fest quasi. Es ging nicht. Die Hitze stand dort. Jeder Schritt war die pure Qual, so musste sich der Weg in die Hölle anfühlen. Meine linke Wade meldete, dass sie mit dieser Tortur ebenfalls ganz und gar nicht einverstanden sei. Ich musste pausieren. Warf mir eine Salztablette ein. Suchte verzweifelt ein wenig Schatten. Massierte die Wade und hoffte auf ein Wunder in Form von Wolken,einer spontanen Sonnenfinsternis oder wahlweise auch einfach wie ein Sack in sich zusammen zu sinken und nicht mehr weiter zu müssen.

Tja, meine Gebete wurden nicht erhört. Also kapitulierte ich und ging weiter. Schritt für Schritt eine Kurve nach der anderen nehmend. Innerlich war es nicht mehr rosig. Alles brannte, tat weh und die Hitze machte mir enorm zu schaffen. Ich hatte an dieser Stelle tatsächlich kurz Angst, dass ich einfach einen Schwächeanfall erleiden und den Berg kopfüber herabstürzen würde, erstaunlicherweise war die Vorstellung gar nicht so schlimm. Direkt vor mir war eine Gruppe von drei Kerlen, von denen einer fortwährend noch in der Lage war zu singen…SINGEN!! Diese Frohnatur ging mir kurzzeitig ziemlich auf die Nerven, wieso konnte der noch singen während ich noch nicht mal mehr ein hämisches Lachen über die Lippen brachte? Meine Gedankengänge wurden düsterer, als  ein Jubelschrei des singenden Jünglings ankündigte, dass der Anstieg geschafft war. Selten war ich so dankbar eine Kuppe zu überschreiten. Der Ausblick übrigens auch phänomenal!!! Hinunter ging es zur nächsten Labestation. Dort warteten bereits fleissige Helfer mit Wassereimern in der Hand um uns eine Dusche zu verpassen. So musste sich dann der Himmel anfühlen!

Dieser Aufstieg zum Gramai Hochleger war das härteste Stück des gesamten Marsches. Selten habe ich mir so sehr gewünscht, einfach aufgeben zu können. Gottseidank habe ich es nicht getan!

Danach war es auch noch anstrengend, keine Frage, aber man wusste genau, dass es nun aufs Ziel zuging.

2 km steiler Downhill folgten, bei denen ich mich gegen das Laufen und für ein sehr schnelles Marschieren entschied, um mich auf den letzten Kilometern nicht zu zerstören. Dann wurde das Gelände flacher und die letzten 9 km gingen relativ geradeaus. Hier lief ich mich dann in eine Art Trance. Gelesen hatte ich davon schon, aber selbst am eigenen Leib erfahren: Fehlanzeige.

Keine Ahnung wo ich die Kraft noch gebunkert hatte, aber sie war da und so ging es in einer 8er Pace schnellen Schrittes voran – ich überholte tatsächlich noch einige Mitstreiter, weil ich einfach nur noch ins Ziel wollte. Tap, Tap, Tap. Einen Fuß vor den anderen. Ich stellte mir immer und immer wieder vor, wie es sein würde durch das Ziel zu laufen und diese Herausforderung damit erfolgreich zu absolvieren. An den Wangen liefen mir mittlerweile die Tränchen herunter – vor Glück!

Ich hatte es fast geschafft, das würde mir jetzt keiner mehr nehmen. All die Schmerzen, die Anstrengung vergessen. Vollkommen egal. Mein Ziel war so klar wie Kloßbrühe. Ich ließ mental meinen Weg der letzten Jahre Revue passieren. Von dem dicken Mädchen, was in Spitzenzeiten tatsächlich 100 kg auf die Waage brachte bis zu diesem Moment. Das Mädchen, das kaum in den zweiten Stock kam ohne zu kollabieren, hin zu dem jetzigen Zeitpunkt, bei dem ich dabei war über 50 km am Stück durch das Karwendel zu laufen und zu marschieren. Ich war so unfassbar stolz, dass noch mehr Tränen flossen, während ich mich schnellen Schrittes immer weiter vorkämpfte.

Das Ziel kam immer näher und als das Schild „noch 1km“ erschien, stöpselte ich mir endlich die Kopfhörer in die Ohren, drückte auf Play und es ertönte das Lied, was ich mir für den Zieleinlauf abgespeichert hatte. Zu Tina Turners „Simply the best“ begann ich hinter einem anderen Mitstreiter loszulaufen und nochmal alle Reserven zu aktivieren. An der Straße jubelten Menschen, klatschten uns zu und als mein Mitstreiter auf einmal gehen wollte, packte ich an der Schulter und zog ihn mit, diese letzten Meter würden wir erhobenen Hauptes ins Ziel einlaufen. Auf jeden Fall laufen, das packen wir. Und so war es auch. Ich nahm kaum noch etwas wahr außer meinem Atem und meinen Schritten und auf einmal wurde ich noch schneller, weiß der Geier woher ich die Kraft nahm, aber ins Ziel bin ich dann gerannt. Dort wurde mir die Medaille umgehängt und von ganz weit weg nahm ich war, dass irgendwer sogar meinen Namen nannte. Es war geschafft. 52 km, 2281 hm, bei über 30 Grad in 12:14 h.

Für so einige Teilnehmer wäre meine Zielzeit von 12:14 h eine Schmach gewesen, aber für mich war es der größte Triumph überhaupt. Trotz Magenprobleme, trotz Zweifeln, hatte ich mich durchgebissen und bewiesen, dass mein Wille stark ist.

Nadine

Das Siegeressen

Ich kann den Karwendelmarsch nur jedem empfehlen. Die Stimmung ist unglaublich toll. Man lacht, man scherzt, man hilft sich (klingt mitunter vielleicht etwas anders in meinem Bericht, aber ich habe durchaus viel gelacht und auch die Landschaft sehr genossen). Die Organisation ist supertoll und der größte Dank gebührt vor allem den freiwilligen Helfern, die den ganzen Tag an den Verpflegungsstationen verbringen um uns sicher ins Ziel zu bringen  (allein meine Wenigkeit hat an diesem Tag über 7 Liter Flüssigkeit verbraucht..da kann man sich vorstellen was es für eine logistische Herausforderung ist für 2500 Teilnehmer zu kalkulieren bei dieser Hitze – uns wurde im Ziel berichtet, dass es der heißeste Karwendelmarschtag seit Beginn der Neuauflage war, uff!)! Ein ganz ganz großes Dankeschön an alle Verantwortlichen, Helfer, Teilnehmer. Es war ein Fest!

PS. Ein ganz ganz riesiges Dankeschön natürlich auch an Nini, die dieses Ding mit mir gemeinsam gerockt hat und sogar noch viel mehr als ich: in 10:17 h ist sie nämlich ins Ziel gerast und hat dann 2 Stunden auf mich gewartet und mich im Ziel begrüßt. Saustarke Leistung!!!!! Außerdem hat sie meinen Nervenzusammenbruch am Freitag Abend meisterlich ertragen und sich von meinem nervösen Geschwätz nicht aus der Ruhe bringen lassen – definitiv auch eine saustarke Leistung :) !

PPS. Noch vor einem Jahr hätte ich niemandem geglaubt, dass ich jemals in diesem Leben so eine Herausforderung antreten, ja geschweige denn erfolgreich absolvieren würde. Ich war früher zu schwach um die Schokoladentafel aus der Hand zu legen und jetzt so etwas (ich glaube sogar, dass in mir eine Sucht geweckt wurde…diese Trailläufe, Berge etc. – das ist schon was einzigartiges). Ab KM 35 hat mich der Wille ins Ziel getragen, davon bin ich fest überzeugt. Was ich zwischenzeitlich und auch jetzt noch empfinde, kann ich gar nicht in Worte fassen. Ich ertrage den fiesen Muskelkater  unglaublich gerne (ja, ich habe ziemliche Schmerzen und watschele wie eine Ente, aber so what??), denn ich weiß, was dieser Körper geleistet hat. Der Körper, den ich jahrelang ziemlich mies behandelt habe, der es mir aber anscheinend nicht krumm genommen hat und jetzt in der Lage ist einen Karwendelmarsch zu packen. Manchmal übersteigt es meinen Horizont wie sich in so relativ kurzer Zeit so viel geändert hat und ich bin einfach nur unfassbar dankbar und stolz, dass es jetzt so ist wie es ist!

In diesem Sinne: You can do it!

Quelle: http://www.dasistdochwahnsinn.com/karwendelmarsch/

Der Ringträger

Der Ringträger

Voerst ein gaaanz grosses LOB an das ganze Karwendelmarschteam.Helfer,Verpflegung,Organisation, jedes Jahr..TOP!!!

So und jetzt zu meiner G`schicht…..

Als am 27.8 um ca 3:30 h mein Wecker läutete und ich mich auf den Weg nach Scharnitz machte war das bereits meine vierte Teilnahme und diesmal war es eine ganz besondere.Ich hatte mir nämlich bei meinen zahlreichen Trainingseinheiten was ganz besonderes ausgedacht.Und jetzt stand ich da in Scharnitz und war etwas nervös.Die Vorfreude und die Motivation auf den heurigen Karwendelmarsch war riesig…..endlich 6Uhr es herrschten perfekte Bediengungen und dieser Tag kann nur noch besser werden.Im Ziel wartet nämlich meine Freundin Sabrina auf mich,der ich nach fantastischen 52km etwas wichtiges sagen werde.Somit war jeder geschaffte Kilometer und jeder überwundene Höhenmeter sehr motivierent für mich.Als ich um ca 12.35 in Pertisau ankam war mir sehr heiss und es wurde noch heisser,denn ich sah sie zuerst nicht im Zielgelände stehen.Sabrina war in dieser Woche nämlich etwas krank geworden und wusste nicht genau ob sie im Ziel auf mich warten kann.Dann doch meine Freundin winkte mir schon ganz aufgeregt und freudig zu.Ich glaube sie war sehr stolz auf mich das ich es nach 6:36 (nicht meine Bestzeit) wieder geschafft habe . Sabrina sagte zu mir setzt dich doch geh was trinken!!Einen Moment noch bitte ich muss dich noch was fragen,dann kniete ich mich vor sie und fragte:Dieser Ring ging mit mir über Berg und Tal und ich hoffe du machst das auch mit mir…Ich Liebe Dich….Willst du mich Heiraten?Ich glaube sie fühlte sich etwas überrumpelt anwortet mir aber sehr schnell bzw zuerst kam noch „waaas moanst des eanst„?……………………..JA SICHA I WILL!!!

 

Das ist jetzt mit Abstand mein grösster Erfolg beim Karwendelmarsch!!Danke für diesen Moment ich werde ihn nie vergessen.

 

Mfg ein sehr glücklicher Manuel #reisenhoferrunners

 

Ps:Vielleicht gehen wir beim nächsten mal gemeinsam,ansonsten wartet eine Bezaubernde verheiratete Frau im Ziel auf mich die Vorfreude ist bereits jetzt riesig!!

Traum, Euphorie, Blut, Schweiß, Demut..

Traum, Euphorie, Blut, Schweiß, Demut...

Beim Karwendelmarsch über 52 Km sowie rund 2281 Höhenmeter jeweils rauf und runter quer durch das Karwendelgebirge von Scharnitz nach Pertisau ordne ich mich direkt hinter die ca. 800 Läufer am vorderen Ende der folgenden 1700 Marschierer ein.

Um 6 Uhr ertönt der Startschuss, die Masse bewegt sich in leichter Dunkelheit. Nach einem ersten Anstieg wird es langsam übersichtlicher, immer mehr verfallen in einen Trabschritt. Das Wetter verführt zum Träumen, keine Wolke, Sonne satt, das Bergpanorama ist einfach gigantisch.

Ich gerate ins Schwärmen. Ein, durch meine MS ganz besonders verstärktes, Gefühl der Freiheit und des „Ich kann es noch“, „Ich darf noch“. Nach 10 Km habe ich knapp einen 7min/Km Schnitt als Zeitbonus für die späteren steilen Abschnitte. Auf einmal war es aus. Ich bekam es gar nicht mit, wie es passierte, aber plötzlich fiel ich nach vorne auf starkem Schotterboden, schlittere noch kurz auf dem Bauch weiter und bleibe dann benommen liegen.
Langsam rappele ich mich hoch. Jemand frägt, wie es mir geht. Ich sehe verboten aus, meine ehemals weiße Windjacke völlig eingesaut mit Staub und Blut. Meine Hände und Knie bremsten wohl am meisten, Ellenbogen, Hüfte und Arme den Rest. Gebrochen habe ich mir nichts, die Knie wohl etwas verprellt.
Das ist eine deutliche Lehre. Genieße dein Glück, es kann so schnell vorbei sein.

Zum Glück hatte ich mir ein Pflasterband mit genommen. Ungeschickt zerreiße ich es in mehrere Streifen, klebe es auf die schlimmsten Wunden, Ende der Euphorie.

Ich rapple mich auf, schlurfe langsam weiter. Das linke Knie muckt etwas, ist aber auszuhalten. Jetzt nehme ich die Stecken, so kann ich mich notfalls auf ihnen abstützen. Manche sprechen mich an, ob es schlimm sei. Ich antworte: Mein Stolz ist verletzt, Rest wird.

Bald wird es steil, ich setze das freigewordene Adrenalin in Vortrieb um. Keuchen, Keuchen, Schieben, es pendelt sich steil bergauf bei 10-11min/Km ein. In mir erwacht der Trotz. Ich akzeptiere die Lektion, doch sie darf keine Ausrede sein das Streben aufzugeben. Wenn das Laufen heute nicht mehr passt, flottes Gehen ist immer noch drin. Es wird wärmer, ich trinke viel, wässere meine Idenixx-Mütze mit eiskaltem Brunnenwasser, das hilft mir über die glühenden Hügel. Nach rund 4,5 Stunden erreiche ich die Falkenhütte, ab jetzt wird es für mich persönlich kritisch. Auf rutschendem Schotter kann ich schon lange nicht mehr, unsicher wackele ich bergab, während andere locker flockig an mir vorbeirennen. Da der Weg jetzt sehr schmal und eng ist, trete ich oft kurz zur Seite. Ich bin erstaunt, wie viele richtig sportliche Jungs und Mädels noch von hinten kommen. Da rede ich mir aufmunternd ein, ganz so langsam kann ich bergauf wohl doch nicht gewesen sein. Trotz meiner ganzen Vorsicht bin ich ab und zu knapp vor dem Hinfallen oder Umknicken, aber meine Stecken retten mich. Die Lust verglüht allerdings in demselben Maße wie sich jetzt in den heißdampfenden Socken mehr und mehr Blasen bilden.

Nach rund 6 Stunden und 35 Km erreiche ich das Zwischenziel in der Eng. Hier dürfte man planmäßig aufhören. Schnell passiere ich die Station, damit ich nicht auf dumme oder doch richtige(?) Gedanken komme.

 

Unser guter Bekannter warnte vor dem folgenden Anstieg, fast 800 Höhenmeter auf 5 Km. „Schaut auf keinen Fall nach oben, nehmt Euch nur Kurve auf Kurve vor“. Ich denke mir, bergauf schreckt mich doch nicht, sehe hinauf und erblasse. „Ach, du grüne Neune“ entfleucht es mir.

Ich fühle mich kreislauf- und kräftemäßig fit, doch irgendwann mag auch ich nicht mehr. „Es geht nur noch bergab“ ruft uns oben die Bergwacht zu. Ich verkneife mir ein „das ist eigentlich ja noch schlimmer“. Die ersten 200Hm bergab läuft es sich ohne Schotter noch ganz gut, dann wird es herb, steil, rutschig. Meine Hände hat es neben den geprellten Knien am Ärgsten erwischt. Die Pflaster lösen sich, ausgerechnet mit ihnen muss ich ja schon die ganze Zeit meine Gehhilfen festklammern. Die Minuten steigen auf 18-25 pro km. Ich versuche es mit Humor, scherze mit Entgegenkommenden, freue mich, als sich andere bedanken, wenn ich sie vorbeilasse, denke wie bei der Challenge Roth am Kanal , also besser gesagt, ich denke gar nichts mehr , schalte ab, konzentriere mich auf den nächsten Schritt, jeden Höhenmeter bergab, weiter, immer weiter.

Ein wackliges Holzbrett über einen Bach nehme ich mit Anlauf, schwanke rüber, die Hoffnung steigt.

Irgendwann ist der heikelste Abstieg geschafft. Jetzt sind es „nur“ noch 9 Kilometer auf vermutlich breiten, leicht fallenden Wegen, Autobahn. Außer den Schmerzen fühle ich mich gut, die Zuversicht wächst mit der Nähe des Ziels. Ich blicke auf die Uhr, rechne hoch. Mein Traumziel SUB 10 ist sogar noch machbar. Ich trabe jetzt mit schwingenden Stöcken, nehme mir Zwischenziele, gehe zwischendurch, reiße andere mit, wie auch ich mich mitreißen lasse. Ich steigere mich fast in einen kleinen Rausch, die Euphorie kehrt zurück. Ich überhole, sammle ein, laufe urplötzlich unter 7, fast 6 min/km Abschnitte, erreiche Pertisau, überquere Straßen, Autos warten, Passanten jubeln, ich fliege(innerlich) ins Ziel, hochzufriedene 9.27 Std.

Auch mein Herzblatt finisht später erfolgreich. Das Schreiben mit den jetzt ordentlich verbundenen Händen fällt nicht ganz so leicht, aber egal, wir haben es wieder einmal geschafft, gemeinsam.

399 Minuten Seitenstechen

399 Minuten Seitenstechen

Voller Motivation und Vorfreude stellte ich mich am Start natürlich gleich im vorderen Drittel auf. Dass mir ja keiner im Weg steht und ich ungestört meinen Füßen freien Lauf lassen kann. Zur Spitze der Frauen gehörte ich mit meiner Vorgabe, unter 8 Stunden zu laufen, natürlich bei Weitem nicht, was mich nicht daran hinderte beim Startschuss gleich loszusprinten. Die Worte meines Vaters, am Anfang nicht zu übertreiben und das Ganze lieber ruhiger anzugehen, waren plötzlich wie ausgeblendet und ich lief voller Tatendrang weiter. Viele kamen mir direkt langsam vor und in meinem (kurzweiligen) Hoch der Gefühle überholte ich lässig gleich noch ein paar Teilnehmer.

Ich darf die ersten 15 Kilometer aber auch nicht schlafen, wurde mir im Training einmal gesagt, was ich mir äußerst zu Herzen nahm. 28 Minuten und ca. 5 Kilometer später bereute ich es bereits zutiefst. Das unbequeme, später schmerzhafte Stechen machte sich zum ersten Mal auf meiner linken Seite bemerkbar und ich wäre am liebsten sofort stehen geblieben. Einen Gang zurückschalten, fleißige Atemübungen und mindestens zehn Stoßgebete konnten aber leider nicht verhindern, was ich bereits wusste: Das Seitenstechen würde sich für den restlichen Verlauf der Strecke, und das war ja immerhin noch fast alles, nicht mehr von mir verabschieden. So lief ich mit meinem neuen, treuen Begleiter in der Bauchgegend, natürlich auf der rechten und der linken Seite, die restlichen 47 Kilometer bis nach Pertisau. Ein Unterfangen, das mir bei Minute 50 schon schier unmöglich schien und was ich nur mit viel innerlichem Fluchen, Zähne zusammenbeißen und dem unglaublichen Willen meine persönliche Zeitvorgabe zu erreichen, schaffte. Die letzten 9 Kilometer wurde ich von Papa und meinem Freund ins Ziel begleitet, die ich sonst vielleicht gar nicht mehr gelaufen wäre. So ging sich eine Zeit von 07:07 Stunden aus, mit der ich überglücklich und wahnsinnig stolz bin. Nächstes Jahr knacke ich dann hoffentlich die 7 Stunden-Marke, meine zwei treuen und schmerzhaften Begleiter die Seitenstechen werde ich 2017 aber zu Hause lassen.
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Das war für mich der Karwendelmarsch 2016

Mein Karwendelmarsch

Am Tag des Karwendelmarsches hieß es um 3 Uhr aufstehen um unseren Transferbus zu erreichen. Also Frühstück rein, Kleidung an und los. Im Auto hat sich dann schon die Hochstimmung und Aufregung bemerkbar gemacht. Es war eine gute Entscheidung nicht selbst anzureisen, danke nochmals an Rofan-Reisen für den Tipp. So konnte ich die Stimmung gemeinsam zu dem Event aufzubrechen richtig genießen und in mich einwirken lassen. Meinem Sitznachbarn war meine Begeisterung eher egal, der hat den Schlaf so weit wie möglich bis nach Scharnitz verlängert.

Trotz der frühen Stunde war um 05:00 schon geschäftiger Betrieb, die Wartezeiten waren bis auf bei den Klos nicht nennenswert. Schnell noch ein Starterfoto bei der Fotobox und ab zum Startgelände. Die Wartezeit bis zum Startschuss wurde durch Moderation und Musik verkürzt. Langsam füllte sich auch der Bereich und wir fieberten gemeinsam hin auf den Startschuss. Und plötzlich ging alles ganz schnell, ein Knall und die Menge setzte sich in Bewegung. Auf den ersten 2-3 Kilometern war etwas aufzupassen dass niemand einem mit seinen Stöcken versehentlich am Boden festnagelt, doch dann lockerte es langsam auf. Es war nett zu beobachten, dass man in den verschiedenen Etappen meistens die gleichen Leute trifft. Einmal zieht man vor und dann wird man wieder überholt. So geht es zumeist weiter bis zur nächsten Labe. Schnell ist der erste Versorgungspunkt erreicht und man kann sich auf eine ausgezeichnete Verpflegung freuen.  Ich war mit meiner Frau relativ zügig unterwegs. Die Platzierung der Labestationen war optimal. Die Mitnahme vom Wasserflaschen hätte ich mir trotz der hohen Temperaturen sparen können, vorsichtshalber hab ich es doch dabeigehabt – war zumindest ein weiterer Trainingseffekt.

Wenn man für die Stecke länger braucht ist es aber unbedingt anzuraten selbst Flüssigkeit mitzunehmen. Die Betreuer der Labestationen füllen die Gefäße auch immer gerne nach. Immer wieder musste ich mich wundern wie viele Freiwillige für die Betreuung des Karwendelmarsches gewonnen werden konnten- Danke ohne euch wäre der Event nicht so professionell abgelaufen. Aber ich schweife ab. Das Karwendelhaus war vergleichsweise schnell erreicht – ich habe vorsichtig kalkuliert und war von der Geschwindigkeit überrascht, aber bei einem Event wie dem Karwendelmarsch zieht einen auch die Gruppe mit und so ist mehr Leistung möglich als bei einem Alleingang.

Eine unangenehme Erfahrung musste ich kurz vor der Falkenhütte machen. Ein Teilnehmer hatte auf beiden Fersen bereits blutige Blasen und anstelle sich diese von der Berggrettung frühzeitig versorgen zu lassen zog er es vor einfach weiterzugehen. Ich hoffe für ihn diese Entscheidung hatte keine allzu großen Nebenerscheinungen mit sich gezogen. Betroffen hat mich der Vorfall jedenfalls gemacht.

Der letzte Anstieg zur Falkenhütte hatte es dann schon etwas in sich und so freute ich mich, dass auf dem Weg entlang der Laliderer Wände noch Schatten war und ich etwas abkühlen konnte. Kurz vor der Eng wurde mein sportlicher Ehrgeiz entfacht – ich konnte es noch vor 12:00 schaffen und so legte ich einen Zahn zu. Wenn ich an die Heidelbeersuppe von der Labestation Eng denke komme ich jetzt noch ins Schwärmen. Die Dusche gleich daneben war auch eine nette Idee!

Und schon ging es weiter zur Binsalm – dort hätte ich das Joghurt besser stehen gelassen, aber dafür hatte ich an dem Punkt auch mein positivstes Erlebnis. Kurz nach der Hütte sind wir bei Frau mit einem geschätzten Alter von über 60 vorbeigekommen. Sie war allein unterwegs und hat ein zügiges Tempo vorgelegt. Nicht wenige gut trainierte Männer hat sie auf ihrem Weg hinter sich gelassen. Die Frau war für mich in dem Moment die absolute Heldin und nicht jene die bereits das Ziel erreicht hatten.

Der Weg zum Gramai-Hochleger hatte es noch wirklich in sich. Angelangt, Wadeln mit Steinöl einschmieren lassen und weiter mit dem letzten Abschnitt. Von nun an ging es nur mehr bergab, aber die Steilheit der Wege ist nicht zu unterschätzen. Speziell auf dieser Wegestrecke war ich froh mich nicht für Trailrunningschuhe, sondern für Klettersteigzustiegsschuhe entschieden zu haben.

Auf der Gramaialm ist mir ein Marschkollege entgegengekommen, die Schuhe hatte er ausgezogen und er verkündete der Menge er lasse es hier, er mag nicht mehr. Aber mein sportlicher Ehrgeiz war bereits wieder geschürt. Sicher spürt man die Kilometer, das Auf und Ab in den Gliedern und das besonders in den Muskeln, aber das Ziel ist nicht mehr weit und ich stellte mir die Frage, ob ich es bis 15:00 schaffen könnte. Aber die letzte Wegstrecke zieht sich noch, auch wenn die Steigung nicht mehr nennenswert ist. Bei der Falzturn Alm freue ich mich und besonders meine Oberschenkel nochmals über eine Schwall Steinöl. Jeder weitere Hinweis auf einen geschafften Kilometer spornt wieder an und ist ein Ziel für sich.

Am Ziel angelangt – 15:00 war doch nicht mehr zu schaffen – und mit der Finisher-Medaille um den Hals brauchte ich noch etwas bis sich die Freude über das Geschaffte einstellte. Zuerst ging es einmal darum den Kohlehydrat- und Wasserspeicher wieder aufzufüllen. Aber zum Glück wurden wir auch am Ziel gut versorgt.

Am Tag des Karwendelmarsches war ich mir sicher ich würde sowas nie wieder machen. Meine Einstellung dazu habe ich am Folgetag gleich wieder geändert. Noch mit Muskelkater im Oberschenkel habe ich beschlossen meine Marschzeit bei meiner nächsten Teilnahme zu verbessern. Ich hoffe wir werden dann wieder so ein Kaiserwetter haben wie 2017. Karwendelmarsch ich komme wieder!

Karwendelmarsch 2016 – ein langer Tag

Karwendelmarsch 2016 - ein langer Tag

Beim Karwendelmarsch 2015 mußte ich noch wegen einer Fußverletzung nach 35km abbrechen. Beim diesjährigen Karwendelmarsch wollte ich dann unbedingt die 52km schaffen,schon deshalb weil ich seit 5 Jahren in Pertisau lebe und hier ins Ziel kommen wollte! Beinahe hätte ich das Ziel wieder verfehlt..aber eben nur beinahe..

Um 3 Uhr in der Früh klingelt der Wecker und ich hatte nach dem aufstehen Magenkrämpfe! Nein,aufgeregt war ich nicht, die Magenkrämpfe kamen wahrscheinlich von einem sehr ballaststoffreichen Essen am Tag vorher. Ein Fehler,an ein Frühstück war nicht zu denken, nur eine Tasse Tee. Um 4Uhr15 dann die Fahrt nach Scharnitz zum Startort. Die Magenkrämpfe wurden schlimmer und Menschen-Schlangen vor den Toiletten länger. Meine Stimmung war auf dem Tiefpunkt und ich war froh als es um 6 Uhr endlich los ging.

Schon nach einem Kilometer mußte ich wegen der Magenkrämpfe ins „Gebüsch“ was sich bis zur ersten Verpflegungsstation noch mehrmals wiederholte. Das alles kostete Zeit und damit war für mich auch die „Zeitenjagd“ auf ein gutes Ergebnis erledigt. Der Frust saß tief! Die erste Verpflegungsstation ließ ich links liegen da es immer noch im Magen rumorte. Meine Stimmung hellte sich dann etwas auf als ich am Kleinen Ahornboden einige Radlfreunde traf welche ein Teil der Strecke auch einmal zu Fuß bewältigen wollten und nicht wie sonst mit dem Mountainbike. An der Falkenhütte gab es dann Hafersuppe,Brot,Obst und das erste Weissbier alkoholfrei. Beim Austausch von neuen Radtouren und fachsimpeln vergaßen wir etwas die Zeit bis einer uns auf das Zeitlimit in der Eng aufmerksam machte. Es war kurz nach 13 Uhr,also nichts wie los! Wir sind durch die Kontrolle ganze 9 Minuten vorher! Für meine Radlfreunde war im Engtal (35km Zwischenziel) Schluß, Sie setzen sich in den Biergarten neben dem Eventgelände um auf den nächsten Transferbus zu warten. Ganz ehrlich, ich mußte mit mir kämpfen,ich war kurz davor auch hier abzubrechen und mich mit in den Biergarten zu setzen!Wolkenloser Himmel und inzwischen über 30 Grad, die Beine schmerzten und jetzt kam noch der schwierigste Teil,hoch zum Gramaihochleger! Ca.6km und ca.700 Höhenmeter bis zum Sattel! Der helle Wahnsinn!

 

Manche werden darüber milde lächeln,für mich (Jahrgang 53) der mit dem Mountainbike mehr in den Bergen unterwegs ist als zu Fuß alles andere als ein Pappenstiel!Man muß alle Läufer bewundern die hier „hochrennen“!Ich machte mit mir einen Deal: An der Binsalm werde ich entscheiden,ob weiter oder umkehren! Am Weg zur Binsalm kam aber dann die „Rettung“. Ich wurde von zwei jungen Burschen eingeholt die mich fragten ob alles in Ordnung ist. Das besondere und durchaus lobenswert, sie waren vom Veranstalter und schauten nach den Teilnehmern die noch auf den restlichen 17km unterwegs waren. Es wurde nicht nur motiviert, sondern auch mit Wasser versorgt und so manchem mit Krämpfen oder einer Zerrung geholfen um bis zum Sattel zu kommen! Alle Daumen hoch für die Organisation und den Helfern!!! Vielen Dank! Die letzten 200 Höhenmeter erinnerten mich an meine Radltour hoch zum Stilfser Joch. Damals fuhr ich auf den letzten 3 Kilometern buchstäblich auf dem Zahnfleisch und fuhr von Markierung zu Markierung, noch 3200m- noch 3100m… auch hier ging ich Schritt um Schritt von Kurve zu Kurve die ich mir vorher gemerkt hatte. Die Serpentinen wollten einfach nicht enden… !

Als ich dann endlich oben am Sattel stand und unten die Verpflegungsstation am Gramaihochleger sah wußte ich, ich habe es geschafft!! Jetzt geht es nur noch bergab! Noch ein Weissbier an der Alm,das hatte ich mir verdient,ging es hinunter zur Gramaialm. Dort nochmals die Trinkblase aufgefüllt und welches Wunder,die Beine fühlten sich wieder gut an! An der Sennhütte/Falzthurntal saßen Bekannte,ein Schnapserl mit ihnen und weiter gings. Als ich dann in Pertisau in die Straße die zum Ziel führt eingebogen bin waren alle Strapazen und Schmerzen vergessen! Es war einfach ein gutes Gefühl durch den Zielbogen zu gehen!!! Was mich ganz besonders freute, Schatzi wartete auf mich….

Fazit: Top Veranstaltung, grandiose Landschaft, unterwegs Super Stimmung! Eigentlich ein MUSS für jeden Berggeher! Nächstes Jahr bin ich wieder dabei,allerdings mit entsprechender Vorbereitung und auf „Zeitenjagd“! Eventuell mit einem von meinen Enkeln….

(Mein Videoclip von unterwegs https://www.youtube.com/watch?v=p6Fq7KOx3Lw oder bei FB auf meiner Fotoseite „Wadiki Pics“)

Herausforderung Karwendelmarsch

Herausforderung Karwendelmarsch

Karl-Heinz

Als ich im Winter 2013 das erste Mal vom Karwendelmarsch gelesen habe war ich neugierig geworden!  Da ich bis zum Sommer 2014 gesundheitliche Probleme hatte, habe ich mich mit etwas zögern angemeldet! Als ich dann am Freitagabend in Zürich mit dem Zug abgefahren bin hatte ich eigentlich mein Ziel den 52KM Marsch zu laufen schon fast begraben! Um 02:00 kam ich mit dem Zug in Innsbruck an und fuhr mit dem Shuttlebus nach Scharnitz!

Um 06:00 Uhr beim Start war es für mich etwas Neues mit so vielen Gleichgesinnten zu marschieren. Die Strecke war anspruchsvoller als ich erwartet habe aber ich war super Motiviert! Die Verpflegungsposten waren immer wieder super um Kraft zu tanken bei der Auswahl der Speisen und Getränk. Der Regen spürte ich schon nicht mehr denn nass war man sowieso! Als ich dann um 13:45 in Den Eng angekommen bin haderte ich noch mit dem Weiterlaufen! Nach kurzer Rast lief ich dann doch weiter und erreichte im 18:12 nach 12 Stunden das Ziel!

Ich bin heute noch Stolz auf mich diese Herausforderung bewältigt zu haben! Dem OK und den vielen Helfern möchte ich ein großes Kompliment aussprechen! Übrigens habe ich mich schon wieder angemeldet und freue misch schon Riesig! Karl-Heinz