Wenn die Liebe beflügelt!

Wenn die Liebe beflügelt!

Zum 4. mal ging ich heuer an den Start beim schönen Karwendellauf – zum ersten mal war meine Freundin mit dabei!

Am Anfang dachte ich es wird nicht mein Rennen: etwas schwere Beine und leichte Luftprobleme. Doch nach dem ersten Downhill vom Karwendelhaus – und vorallem mit dem Gedanken, dass im Ziel meine Freundin wartet, wurde ich immer schneller und konnte mich zum Vorjahr um ganze 25 Minuten verbessern! Am Ende wurde es mit 4h56min Platz 13 und sogar Platz 3 in meiner AK! Mit meinem ersten Podium überhaupt bin ich sehr stolz!! Danke an die allerbeste Freundin für die mentale Unterstützung❤️😘

Bis nächstes Jahr🤘

Irgendwann ist es immer das erste Mal: Ultra

Irgendwann ist es immer das erste Mal: Ultra

„Und – wie fühlst du dich als frisch gebackene Ultra-Läuferin?“ fragt mich ein Kumpel einen Tag nach dem Karwendelmarsch.
Gestern bin ich also 52 Kilometer gelaufen. Mit 2200 Höhenmetern. Mein erster Ultra. Zugleich auch erster Marathon, denn die längste Distanz, die ich bislang am Stück laufend auf den Beinen war betrug 35 Kilometer. Heute fühlt es sich schon an, als wäre der Lauf vor über einer Woche gewesen.
„Prima, alles bestens“, ich merke heute kaum die gestrige Anstrengung der Kilometer und Höhenmeter, die Muskeln sind fit und schmerzen gar nicht.
Geschuldet ist das wohl zum Großteil der guten Vorbereitung. Nicht superlange Strecken, aber oft mehrmals pro Woche 20, 25 Kilometer, und viele, viele Höhenmeter bin ich in den letzten gelaufen, hinauf gekraxelt, bin ich in technisch anspruchsvollem Downhill-Gelände wieder runter gerannt. Der körperlichen Vorbereitung verdanke ich also, dass ich heute ohne Muskelkater ganz normal durch die Gegend laufe.
Bei einer Distanz von 52 Kilometern – die vor wenigen Monaten für mich noch unglaublich lang und unvorstellbar weit erschien – kommt es nicht nur drauf an, wie fit die Beine sind.
Auf meinen wenigen Trail-Rennen, die ich seit diesem Frühjahr und Sommer mitgemacht habe, hab ich stets gemerkt: ganz viel entscheidet der Kopf: #glaubandich. Je länger die Distanz, desto mehr, denke ich mittlerweile.
Der Kopf muss erkennen, ob mein Körper an der Verpflegungsstelle eine Pause braucht, ob ich stehenbleibe oder nur einen Becher Wasser nehme und sofort weiterlaufe.
Der Kopf entscheidet, ob ich mir über ein Ziehen in der Hüfte Gedanken mache und dadurch langsamer und unmotivierter laufe oder es wie gestern nur an dem kalten Wind um 7:30 Uhr morgens auf dem Karwendelhaus lag und nach den ersten steileren Anstiegen und Downhills alles immer besser wurde. Weil mich solches Gelände so schön ablenkt. Je fordernder, desto besser.
Und der Kopf ist verantwortlich, den Körper zu bremsen, wenn im technisch schwierigen Downhill die Konzentration fehlt, schnell zu rennen. Was gestern aber nicht nötig war, denn ich hatte mir vorgenommen, das Rennen bei so einer langen Distanz gut einzuteilen und das ging super auf.
Einteilen bedeutete gestern für mich laufen wie „Traktor – PKW – Rennwagen“. Ein verhaltener Start wird mir schon von einigen „Marsch“-Teilnehmern leicht gemacht, die irgendwie doch vor mir auf die Strecke gestartet sind und die ich erstmal überholen muss. Der lange Forstweg durch Tal Richtung Karwendelhaus zieht sich. Langweilig für einen Trailläufer, der lieber flowige, steinige, technische Singletrails und Pfade liebt. Hier haben die Straßenläufer einen Vorteil. Aber nicht lang. Als der Weg endlich steiler wird und zum Karwendelhaus hoch anzieht, freu ich mich sehr über die Steigung – die endlich mal einen Abwechslung zu der langweiligen Forststraße bietet. 

Dann kommt der erste Downhill – juhu – Leute überholen 😉 – und schon gehts über den kleinen Ahornboden auf einen schmaleren Weg, mit Fels, Schotter und bisschen Matsch rüber und hoch (yeah, schön steil!) zur Falkenhütte. Bergauf wieder Läufer einsammeln. Die schnaufen, mein Puls dagegen fühlt sich gerade nach GA1 an, ungelogen. Das Höhenmetertraining macht sich hier sehr bemerkbar. Viel Höhenmeter auch über 2000m bis 3000m in den letzten Wochen. Hilft.
Als ich die Eng (Ziel für die Kurzstrecke) passierte – die 35km-Marke, ab der für mich läuferisch Neuland beginnt, denke ich nicht einmal im Entferntesten daran aufzuhören. Läuft. Super. Und jetzt kommt ein „Spitzlstein“ – diesen Vergleich ziehen wir seit dem Bergmarathon Traunsee mit steilen, matschigen Anstiegen. Spitzlsteine liebe ich seitdem. „Auf gehts, richtig gut dabei!“, rufen mir die wenigen Wanderer und Bergwacht-Posten zu, die an diesem eher nebligen Tag an der Strecke stehen.
Ach ja, das Wetter – das hätte ich fast nicht bemerkt – es regnet gar nicht wie befürchtet. Volle Konzentration liegt auf der Strecke, auf dem Rennen, auf dem Untergrund, über den wir laufen – die Umgebung ist für mich gerade eher Nebensache. Im Training ist das natürlich anders. Da laufe ich, weil ich die Berge so liebe, die Aussicht, die grünen Hügel, die Gipfel und steinigen Grate, die Sonnenauf- oder untergänge weit weg von Stadt.
Es hat in der Nacht ordentlich geregnet  – daher nasser Boden, macht aber im eher gerölligen Karwendel nicht so viel aus. Da bin ich schon schlimmeres gelaufen. Bei schönem Wetter ist der Karwendelmarsch ein Lauf mit grandiosem Panorama. Heute sieht man kaum was. Fokus auf den Trail. Auch gut.

Die letzten Kilometer fliegen nur so dahin. So glücklich bin ich, dass ich mich nach 40, 44, 48 Kilometern noch so gut fühle. Das einzige Manko am Ende: drei Kilometer Asphalt. Nein, Asphalt mit den Schuhen – das macht eigentlich gar keinen Spaß und tut den jetzt doch schon relativ geforderten Knien auch nicht gut. Aber – schön auf einen guten Laufschritt konzentrieren, und so gehts auch flott ins Ziel.
6 Stunden 23 Minuten. Alles richtig gemacht, würde ich sagen. Stolz auf den 7. AK-Platz und den 18. Platz gesamt von 180 Frauen. Und ganz stolz auf die Art wie ich für dieses Rennen bis zum Ende meine Kraft eingeteilt hab, für jeden Downhill volle Konzentration hatte und mich von der Wettervorhersage auch nicht davon hab abhalten lassen überhaupt an den Start zu gehen.

Und dankbar. Für die Begleitung auf der Strecke – zusammen ist man weniger allein mit den Gedanken – dankbar für die Trail-Community, die solche Rennen einfach noch viel wertvoller macht, da es ein fröhliches Miteinander ist, man sich wieder trifft, über den einen den anderen kennt oder kennenlernt. Mit einander leidet (ein bisschen) und lacht (sehr viel). Und schon überlegt, was man als nächstes zusammen laufen könnte.

www.kerstinleicht.de/category/blog

#glaubandich #ultradistanz #ultrarunner #trailrunning #trailrun #trailgirl #mountainlove #bergliebe #runthehills #runthemountains #flinkfüßer #dav #trailcommunity #karwendelmarsch #outdoorsisfree #sportfotografin #vorderkamera #fortheloveofsports #passionforphotography

Hart – Härter – Karwendelmarsch

Hart - Härter - Karwendelmarsch

Hallo zusammen!

Es war das erste Mal dass ich bei dieser Veranstaltung teilgenommen habe, und ich habe mir geschworen (bei den letzten 10km ) einmal und nie wieder !

Mein Partner hat sich 10km vor dem Ziel die Bänder gerissen und konnte leider nicht (die letzten lächerlichen 10km absolvieren) das nagt am Selbstbewusstsein

Aber nach dem ich am Samstag Abend kaum noch gehen konnte und es mir am Sonntag eigentlich wieder gut ging hegte ich den Gedanken das noch einmal zu versuchen ! Und wir werden nächstes Jahr wieder dabei sein, und dieses Mal hoffentlich gemeinsam ins Ziel kommen!

Ein großes Lob an euch allen für diese großartige und ihresgleichen suchende Veranstaltung !

Lg Christian und Thomas

Nebelsuppe, Kartoffelsuppe, Blaubeersuppe

Nebelsuppe, Kartoffelsuppe, Blaubeersuppe

Von der Kartoffelsuppe in die Nebelsuppe bis hin zur Blaubeersuppe… und dann noch ab ins Ziel!

Von Scharnitz, wo das Abenteuer gemeinsam beginnt, geht es auf über das wunderschöne Karwendelgebirge bis nach Pertisau, dort, wo das Abenteuer eine Pause einlegt. Ja, eine Pause, denn das Abenteuer geht weiter. 2018 – das Jubiläumsjahr einer wunderbaren Veranstaltung! Auch wenn die Wolken das Sonnenlicht trübten, so strahlten alle Teilnehmer heller als die Sonne.

Es ist kurz vor 06:00 Uhr morgens, die Stille im Ort, kaum Lichter, aber im Startgelände ist die Hölle los! Schnell noch die Pulsuhr gecheckt, Kontrolle der Schnürsenkel und der restlichen Ausrüstung. Mist, hab ich zu wenig mit oder gar zu viel? Brauch ich die Stecken oder stören sie nur? Egal, die letzten Sekunden vor dem Start brechen an. Irgendwie spürt man die Spannung, die Aufregung, den Puls.. er wird höher.

Der Countdown beginnt: 10..9..8.. oh Mann, der Puls schlägt schneller als der zählt…3..2..1.. ein lauter Knall schallt durch den Morgen.. Wer jetzt nicht wach ist, dem ist nicht zu helfen. Es beginnt! Das Abenteuer Karwendellauf – mitten drin statt nur dabei!
Die Menge schiebt sich vor Richtung Durchlauf, es geht los – AUF GEHTS! 2.500 Teilnehmer/innen – die Stimmung passt, die Motivation auch! Begleitet von einem begeisterten Publikum geht’s los, 35 oder 52 km – jeder ist ein Sieger!
Das Wetter ist – trotz der dichten Wolkendecke – entsprechend gut. Es könnte heißer sein, aber nicht jammern, besser als Regen. Wir laufen, walken, reden.. Hoppla, aufpassen, könnte rutschig werden.
Es heißt aufpassen, die Steine sind nass, der Boden feucht, das Wurzelwerk rutschig. Mist, wird wohl nichts mit einer neuen Bestzeit. Egal, bei diesem Wetter heißt es: sicher und gesund ins Ziel kommen hat oberste Priorität, das hab ich meiner Familie versprochen.

Das Karwendelhaus nähert sich. Die heißbegehrte Kartoffelsuppe ist greifbar nahe. Oh Gott, wie die schmeckt! Und gut tut, und überhaupt! Es ist kalt, die Kartoffelsuppe ist genau das Richtige. Nun heißt es, etwas wärmer anziehen! Von der heißen Kartoffelsuppe geht es ab in die Nebelsuppe. Die Beine müssen erstmal wieder warm werden, damit das Bergablaufen klappt.

Ich fange an zu singen, muss mit mir selber lachen: Über Stock und über Stein, aber brich dir nicht das Bein, das hab ich meiner Familie versprochen. Com‘ on Geri, konzentriere dich, der Weg ist diesmal nicht so einfach.

Es läuft gut, langsam lichtet sich das Feld. Auch dieses Jahr sind alle Teilnehmer wieder fair und hilfsbereit. Das ist der Karwendellauf. Sportlich, aber fair. Es geht weiter, oh da war sie doch schon, die Falkenhütte. Ob man über das Schild „nur noch 21km“ lachen oder weinen soll, weiss man nicht, ist ja nur noch ein Halbmarathon, der vor dir liegt.

Die Laune hält, der Schuh sitzt perfekt, weiter geht’s. Es ist super. Zwischen den schweren Atemzügen findet man doch noch ein paar Worte, die man mit anderen Teilnehmern wechselt. Oh, die Eng ist da! Und dieses Mal gehört sie mir! Aus der Nebelsuppe ran an die Blaubeerensuppe. Man überlegt kurz, stehen bleiben, schlemmen, oder geht’s weiter? Die Antwort bleibt nicht lange aus, nachdem man den Becher geleert hat und schon in der Anhöhe zur Binsalm drin ist. Ach, da war doch noch was! Die letzte Anhöhe.

Es wird anstrengend.. und hart. Nicht nur die Anhöhe, auch die Muskeln. Der Wille ist da, ich gehe sicher nicht zurück zur Eng. Es gibt kein Aufgeben, nicht bei mir. Die Wolkendecke ist immer noch da, aber mein Gesicht strahlt heller als die Sonne. Die letzte Anhöhe wurde geschafft, es geht wieder bergab und meine Laune noch weiter bergauf.

Ich weiß was vor mir liegt: die letzten 9km – die kann ich laufen. Eine schnelle WhatsApp-Nachricht an meine Familie. Nur noch 9km – ich bin am Weg.  Ein Blick auf die Uhr. Weiterlaufen. Noch ein kurzer Blick auf die Uhr. Ernsthaft? Bei diesem Wetter? Kann es wirklich sein, dass ich schneller bin als beim letzten Mal? Die Sonne strahlt: und zwar aus meinem Gesicht – auf geht’s! 5 km, der Kopf rechnet, es ist machbar. 3 Km, alles gut, alles läuft. Auch ich.

Ein kurzer Blick nach hinten, alle anderen Gegn äh Mitstreiter sind ein Stück hinter mir. Ich kann das Tempo beibehalten. Nur nicht krampfeln und nur nicht stehen bleiben. Zuschauer feuern weiterhin lautstark an. Das gibt noch einen weiteren Motivationsschub. Ich höre den Zielsprecher, die tobende Menge – wieder dieses irre Gefühl in den Beinen. Von den Zehen aufwärts bis rauf in den Kopf – es kribbelt, das Gefühl, es wieder zu schaffen. Schnell noch eine WhatsApp-Nachricht. Ich bin gleich da.

Der Zieleinlauf! Unbeschreiblich – das Gefühl, es bei diesem Wetter gesund und sicher geschafft zu haben. 26! Minuten schneller als das Jahr zuvor. Unglaublich. Freudentränen machen sich breit. *peep* *peep* WhatsApp: wir sind auf den Weg…ich antworte nur noch: „ich bin doch schon da“… tja, schlechter Handyempfang – was solls! Ich bin im Ziel – die Finisher-Medaille bestätigt es. Man sieht glückliche Finisher, aus Schmerz- werden Freudentränen, unbelievable. Kurz nachgefragt: Der Sieger – Wahnsinn. Es war ein Highlight und ich kann abschließend sagen:

WIR ALLE SIND GEWINNER – egal ob 35 oder 52km.

Rückblick zum Jubiläum: Der Karwendelmarsch 2013

Rückblick zum Jubiläum: Der Karwendelmarsch 2013

In diesem Jahr feiert der Karwendelmarsch sein zehntes Jubiläum. Wahnsinn. 9 Jahre sind vergangen seit seiner „Wiederbelebung“ 2009. Wir hatten 2011 von der Veranstaltung gehört, und recht schnell stand der Entschluss fest: Da müssen wir auch hin. „Wir“ – das waren damals Erik und ich, denn Katrin und Andrea waren noch nicht vom Trailrunning-Virus infiziert. 2012 machten wir uns dann zum ersten Mal auf den Weg von Scharnitz nach Pertisau. Für mich war das der erste echte Ultra, den man so leicht nicht vergisst – er war super organisiert und so fürchterlich verregnet. Das schrie nach Wiederholung – gleich im nächsten Jahr. Und dieses Mal hatten wir Glück mit dem Wetter und sahen, durch welch schöne Landschaft dieser Lauf führt. Damals hatte ich einen Race Report geschrieben. Jetzt ist er mir nochmal in die Hände gefallen und hat Erinnerungen geweckt.

Hier ist er: https://trailrunningnordwand.blogspot.com/2018/08/throwback-thursday-der-karwendelmarsch.html

Damit sage ich: Happy Birthday, Karwendelmarsch! Alles Gute und ein langes Leben …

Mein Weg

Mein Weg...

Der heurige Karwendelmarsch war nach einem turbulenten Jahr, in dem das Leben mit mir Achterbahn gespielt hat, wie mein ganz persönlicher „Jakobsweg“. Ich bin vom ersten Mal an fasziniert gewesen von dieser Veranstaltung – von dem, wie sehr man an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit gehen kann, was man alles schafft, wenn man will und gleichzeitig davon, wie viele schöne, unvergessliche Eindrücke des Karwendels und der Menschen, die mitgehen, man sammeln darf. Ein Highlight in meinem Jahrbuch, und ein großes Lob an die Veranstalter – bis hoffentlich zum nächsten Marsch 2019, lg Alexandra Eberharter

Größtes Lob für die Verpflegungsmannschaften

Größtes Lob für die Verpflegungsmannschaften

Trotz der widrigen Witterungsumstände am 25.08.2018 herrschte bei allen Labestationen beste Stimmung. Sämtliche Helfer an diesen Stationen, ganz besonders die Eva und der Günther in Pertisau, verdienen ein Extralob!!!! Bravo und Danke, M+Ä+P

Bis an den Grenzen gehn

Bis an den Grenzen gehen...

Ich war mit meinem Mann 2016 das erste mal beim Karwendelmarsch dabei. Wir sind damals die 35 km in 8h gegangen …nicht schlecht für uns als Wanderfreunde. 2017 erwarteten wir zu dieser Zeit unser 1.Enkelkind und waren viel zu nervös und unkonzentriert für so eine Herausforderung.

Aber heuer waren wir, voller Freude, wieder am Start für den geplanten 35 km Marsch. Mein Mann hoffte insgeheim, dass wir heuer gemeinsam die 52 km schaffen.
Die Temperatur war angenehm im Vergleich zu 2016 – damals war es sehr sehr heiß. Mit zügigem Tempo am Karwendelhaus angekommen, merkte ich schon beidseitiges ziehen in der Leistengegend, dachte aber, dass es schon wieder verschwinden wird sobald es endlich mal bergauf geht. Zuvor ging es aber bergab zum kleinen Ahornboden und meine Schmerzen verschlimmerten sich. Aufgeben kam für mich nicht in Frage. Das steilere Stück zur Falkenhütte ging dann ganz gut trotz einem zügigen Tempo. Kurz vor dem Einlaufen an der Eng bekam ich auf der linken Seite in der Leiste einen Krampf wodurch mir direkt im Ziel kurz schwindelig wurde, ich hatte Angst und das Gefühl zu kollabieren. Mein Mann war in Topform wie noch nie und ich sagte er soll ohne mich weiter gehen (ich verheimlichte ihm noch immer meine schlimme Lage). Die Situation besserte sich allerdings nach ein paar Minuten ich schaute auf die Uhr, es war 13:00, zu meinem Erstaunen waren wir  1 1/2 Stunden schneller als vor 2 Jahren und ich entschloss mich kurzerhand weiter zu gehen. Genau diese Entscheidung bereute ich schon an der Binsalm, wo es noch dazu in Strömen regnete. Wir tranken einen Tee und rauf gings dann auf den Gramai-Hochleger, der kein Ende zu nehmen schien. Der Dreck und ein richtiges Bächlein liefen uns am Weg entgegen. Das ziehen war wieder stärker. Oft musste ich die Zähne zusammenbeißen. Es war auch sehr kalt. Dann ging es runter über klitschnasse, rutschige Steine und Wurzeln. Ein freundlicher Helfer bei der Gramaialm wickelte mich in eine Isofolie die mich etwas wärmte. Erholungsphasen meiner Schmerzen gab es keine mehr, jetzt redete ich mir selber immer wieder ein: Halte durch – gib nicht auf!! Die letzten 9km auf Asphalt bei strömenden Regen waren dann eine richtige Qual. Ich schleppte mich ins Ziel und bin sooo stolz auf mich selber. Geschafft in 10 1/2h davon 5h Dauerregen und teilweise höllische Schmerzen. Unglaublich was man mit der richtigen inneren Einstellung schaffen kann. Darum kann ich nur sagen – ich freue mich aufs nächste Jahr und hoffe wieder dabei sein zu können.

Karwendellauf 2011 – Mit Blitz und Donner

Karwendellauf 2011 – Mit Blitz und Donner

Zur dritten Auflage 2011 ist uns der Durchzug eines ergiebigen Regentiefs von den Wetterfritzen fest versprochen. In Chamonix weiter westlich, von wo man uns die Wolken rüberschiebt, hat man vor ein paar Stunden beim berühmten Ultra Trail du Mont Blanc schon den Start wegen des Starkregens einige Stunden nach hinten verschoben. Um 4 Uhr nachts kann ich in Scharnitz am Himmel aber immer noch die Sterne ausmachen. Ich hoffe immer noch auf Verspätung des Unwetters.

Beim Marsch zum Start am Gemeindeplatz direkt an der Durchgangsstraße fallen aber schon die ersten Tropfen vom Himmel. Zehn Minuten vor dem Startschuss gebe ich meine Wechselkleidung zum Transport an den Zielort ab. Meine kompletten Laufklamotten habe ich bei fast 35 Grad Plus eingepackt, da war im Web noch von Temperaturen mit Regen um 10 Grad die Rede. Ich bin eigentlich ganz gut ausgerüstet, aber an eine lange Hose habe ich nicht im Entferntesten gedacht, also auch keine im Laufrucksack. Eingepackt habe ich aber Regenjacke, Mütze, Ärmlinge und Handschuhe.

Da es bei der Kleiderabgabe auch schon stärker zu regnen beginnt, entscheide ich mich bereits für einen Start in Regenjacke. Vom Sprecher bekommen wir nochmals Informationen über die Wetterentwicklung der nächsten Stunden. Es wird im Laufe des Tages auf alle Fälle mit stärkeren Regenfällen zu rechnen sein, werden wir „beruhigt“. Stockdunkle Nacht, Regen prasselt hernieder und die Aussichten sind miserabel, das ist so eine Situation wo ich mich schon kurz frage: „Warum stehe ich eigentlich hier und wie verrückt muss man eigentlich sein überhaupt loszulaufen?“ Alle Gedanken sind aber nur Momentaufnahmen und wirklich nicht zu starten ist natürlich keine Option, besonders wo heute mein 50. Marathon/Ultra ansteht.

Nach einem flachen Kilometer Einlaufen dürfen wir auch schon den ersten kleineren Aufstieg bewältigen. Mir wird‘s mit meiner Regenjacke bereits richtig warm und da der Regen tatsächlich wieder aufgehört hat, entledige ich mich ihrer sehr schnell. Mittlerweile ist es hell geworden und es sieht alles wesentlich freundlicher aus am Himmel als angenommen, bequem lässt es sich in kurzer Hose und Shirt laufen.

Im Karwendeltal sind entlang des wildromantischen Karwendelbaches bis zur ersten Labestation etwa 10 km zurückzulegen. Über uns thronen die gewaltige Pleisen- und Larchetkarspitze mit über 2.500 m Höhe. Gefühlsmäßig kommt mir der Weg eigentlich fast flach vor, dem ist aber nicht so, laut Höhenprofil geht es immer leicht aufwärts. Nach gut einer Stunde haben wir schon die Larchetalm zum Frühstücken erreicht.

So könnte es weitergehen …tut es aber nicht, am Himmel kann man schon sehen wie die Wolken immer bedrohlicher werden und die Gipfel langsam umschließen. Die Strecke legt jetzt auch spürbar an Steigung zu, was sich auch bald auf die Temperaturen auswirkt. Ich lege meine Regenjacke wieder an. Unterhalb des Karwendelhauses hat es sich bereits richtig ungemütlich zugezogen, die Bergspitzen über uns und selbst die Alpenvereinshütte in unmittelbarer Nähe sind im Nebel nur mehr schwer erkennbar. An der großen Brotzeitstation steuere ich als erstes die leckere, warme Kartoffelsuppe an, die auch sonst begeisternde Abnehmer findet. Dazu wird uns u.a. heißer Tee geboten. Aber an der zugigen Zeltstation ist schon empfindlich kalt geworden, trotz Handschuhe komme ich bald ins frösteln.

Auf rustikalen Wegen geht es serpentinenartig runter zum Kleinen Ahornboden. An der dort postierten Station drängen sich gerade viele Läufer unter das Zelt, da wieder ein anständiger Duscher vom Himmel kommt. Einer schnorrt sich ein paar Gummihandschuhe von den Helfern um seine Finger wenigstens etwas vor der Kälte zu schützen. Es hilft nix, ich muss wieder weiter.

Nach einem langgezogenen Schotterfeld geht es wieder auffi. Erst noch relativ komfortabel durch lichte Wälder, aber nach der urigen Ladizalm wird es richtig steil. Eine Gruppe Berliner Jungs muss ihren Kameraden schon mächtig motivieren, damit er überhaupt noch weiter geht. Die letzten 300 Höhenmeter hinauf zur Falkenhütte haben es wirklich in sich. Normalerweise würden wir ja zur Entschädigung mit einem atemberaubenden Panorama auf die vor uns liegenden Ladiderer Wände belohnt, aber da ist heute leider Fehlanzeige, sie sind vollkommen in Wolken gehüllt. Dafür hat es aber wenigsten seit einiger Zeit mal wieder aufgehört zu regnen.

Unterhalb der Falkenhütte können wir uns wieder stärken. Das Verpflegungszelt steht zwar an sehr exponierter Stelle wo es zieht wie Hechtsuppe, aber die Brotzeit ist wieder allererste Sahne. Besonders zu erwähnen wäre die extra dicke Hafersuppe. Die warmen Speisen und Getränke finden bei dem jetzigen Schmuddelwetter nicht nur bei mir am meisten Anklang. Am allerbesten schmecken mir aber die selbstgemachten Riegel. Sie sehen aus wie kleine Florentiner und schmecken beinahe auch so, nur nicht ganz so süß, am liebsten würde ich mir den Rucksack voll einpacken, sie gibt es aber noch an diversen Stationen zum durchfuttern.

Direkt unterhalb der steil abfallenden Laliderer Wände geht es für uns weiter. Die Felswände sind etwa 900 Meter hoch und reichen bis knapp unter die Gipfelbereiche von Laliderer Spitze (2.588 m) und Grubenkarspitze (2.663 m). Aber so weit nach oben können wir heute leider nicht sehen. Nach einem kurzen Aufstieg geht es auf größtenteils winkligen kleinen Trails kräftig bergab bis zur Eng.

Nach dem Zieleinlaufbogen ist wieder eine große Labestation errichtet. Besondere Schmankerl sind der warme Gemüsefond und die kalte Heidelbeersuppe die ich mir nicht entgehen lass. Schon beim Abstieg wurde der Regen am Schluss immer stärker, aber jetzt fängt es hier richtig zu schütten an, außerdem sind erste Donner am Himmel zu vernehmen.

Nach einer ausgiebigen Stärkung nehme ich im strömenden Regen den dritten und letzten Aufstieg in Angriff. Mit 650 hm auf den nächsten 6 km ist er auch der steilste und schwierigste des ganzen Kurses. Um uns blitzt und donnert es in einer Tour. Die Feuchtigkeit dringt jetzt selbst durch meine Regenjacke und meine Hose ist vollkommen durchnässt. Je höher wir klettern umso kälter und ungemütlicher wird es. Meine Hände sind trotz, natürlich fast triefender Handschuhe, nur noch ein Fremdkörper von mir. Als purer Glücksfall hat sich heute ein alter Filz-Trachtenhut von meinem Vater erwiesen, ich habe ihn eigentlich nur gewählt, weil er so gut zu meinem heutigen Alpen-Outfit passt. Er ist vollkommen wasserdicht und hält meinen Kopf unglaublich warm, was ich mir von keiner anderen Kopfbedeckung heute hätte besser vorstellen könnte

Plötzlich reißt mich ein Blitz und unmittelbar danach ein gewaltiger Donnerschlag aus der Lethargie, der kann nicht mehr allzu weit von uns entfernt gewesen sein. Der Regen weicht Hagel- und Graupelschauern, ich muss weiter, weiter und höher, immer unwirtlicher werden die Bedingungen. Aber es wird noch besser, kurz vor Überquerung des höchsten Punktes am Binssattel liegt Schnee, noch nicht hoch, aber nix wie weg von hier.

Auch der Abstieg ist gefährlich und wirklich laufen lassen kann man’s nicht. Einige haben sich die goldene Rettungsdecke oder einen Müllbeutel um den Körper gewickelt und versuchen so ihr Glück. An der Gramaialm-Hochleger genehmige ich mir schnell eine warme Suppe und zwei Becher heißen Tee und weiter geht’s. Ich muss in Bewegung bleiben, mich fröstelts gewaltig, die feuchte Kleidung bereitet kein Vergnügen mehr. Wenigstens geht es immer abwärts.

Die nächste Aufwärmmöglichkeit bietet uns einige Kilometer später die Station an der Gramaialm. Je heißer, je besser das Getränk. Mich fröstelt gewaltig. Von Feuerwasser bin ich eigentlich kein Fan. Warum mir trotzdem „gibt’s an Schnaps?“ rausrutscht, muss wohl an dem zu erwartenden Brennen durch den Körper liegen. „Joa, moagst oan? Kommt wie aus der Pistole geschossen von der freundlichen Helferin und zaubert sofort eine Flasche hervor. Tut gut heute und weiter, in Bewegung bleiben. Über Feldwege und Wiesen mit leichtem Gefälle führt der weitere Weg abwärts.

An der letzten Getränkestation Falzturnalm erfahre ich dass die Veranstaltung abgebrochen wurde. Als der Regen zu Hagel und später sogar zu Schnee wurde, reagierten die Veranstalter und verlegten um gegen 14.00 Uhr das Ziel in die Eng. Hilft mir nix, ich hab noch 4 km vor mir. Schnell einen heißen Tee und weiter, mich friiiiiert’s, ich zittere wie ein Schlosshund. Der Schlussabschnitt führt fast kerzengerade auf einer Teerstraße nach Pertisau. Nach gefühlt unendlich langen drei Kilometern komme ich endlich ins Ziel. Über eine halbe Stunde nach Zielankunft zittere ich in trockenen Klamotten immer noch wie ein Parkinson Kranker. Mein 50. Marathon/Ultra wird mir wohl immer in Erinnerung bleiben.

Lange aufhalten will ich mich im Zielort nicht. Leider, so bekomme ich wenig vom Achensee zu sehen. Aber im Dauerregen ist es einfach kein gemütlicher Aufenthaltsort, ich bin froh als ich im warmen Bus sitze. Eine Stunde soll der Rücktransport nach Scharnitz dauern, daraus werden heute auf der überfüllten Inntalautobahn fast zwei. Bei der Ankunft am Startort um 17 Uhr wache ich auf und die Sonne strahlt mir aus einem blauen Himmel über dem Karwendel entgegen …als ob nichts gewesen wäre.