Bis an den Grenzen gehen...

Ich war mit meinem Mann 2016 das erste mal beim Karwendelmarsch dabei. Wir sind damals die 35 km in 8h gegangen …nicht schlecht für uns als Wanderfreunde. 2017 erwarteten wir zu dieser Zeit unser 1.Enkelkind und waren viel zu nervös und unkonzentriert für so eine Herausforderung.

Aber heuer waren wir, voller Freude, wieder am Start für den geplanten 35 km Marsch. Mein Mann hoffte insgeheim, dass wir heuer gemeinsam die 52 km schaffen.
Die Temperatur war angenehm im Vergleich zu 2016 – damals war es sehr sehr heiß. Mit zügigem Tempo am Karwendelhaus angekommen, merkte ich schon beidseitiges ziehen in der Leistengegend, dachte aber, dass es schon wieder verschwinden wird sobald es endlich mal bergauf geht. Zuvor ging es aber bergab zum kleinen Ahornboden und meine Schmerzen verschlimmerten sich. Aufgeben kam für mich nicht in Frage. Das steilere Stück zur Falkenhütte ging dann ganz gut trotz einem zügigen Tempo. Kurz vor dem Einlaufen an der Eng bekam ich auf der linken Seite in der Leiste einen Krampf wodurch mir direkt im Ziel kurz schwindelig wurde, ich hatte Angst und das Gefühl zu kollabieren. Mein Mann war in Topform wie noch nie und ich sagte er soll ohne mich weiter gehen (ich verheimlichte ihm noch immer meine schlimme Lage). Die Situation besserte sich allerdings nach ein paar Minuten ich schaute auf die Uhr, es war 13:00, zu meinem Erstaunen waren wir  1 1/2 Stunden schneller als vor 2 Jahren und ich entschloss mich kurzerhand weiter zu gehen. Genau diese Entscheidung bereute ich schon an der Binsalm, wo es noch dazu in Strömen regnete. Wir tranken einen Tee und rauf gings dann auf den Gramai-Hochleger, der kein Ende zu nehmen schien. Der Dreck und ein richtiges Bächlein liefen uns am Weg entgegen. Das ziehen war wieder stärker. Oft musste ich die Zähne zusammenbeißen. Es war auch sehr kalt. Dann ging es runter über klitschnasse, rutschige Steine und Wurzeln. Ein freundlicher Helfer bei der Gramaialm wickelte mich in eine Isofolie die mich etwas wärmte. Erholungsphasen meiner Schmerzen gab es keine mehr, jetzt redete ich mir selber immer wieder ein: Halte durch – gib nicht auf!! Die letzten 9km auf Asphalt bei strömenden Regen waren dann eine richtige Qual. Ich schleppte mich ins Ziel und bin sooo stolz auf mich selber. Geschafft in 10 1/2h davon 5h Dauerregen und teilweise höllische Schmerzen. Unglaublich was man mit der richtigen inneren Einstellung schaffen kann. Darum kann ich nur sagen – ich freue mich aufs nächste Jahr und hoffe wieder dabei sein zu können.

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