399 Minuten Seitenstechen

Voller Motivation und Vorfreude stellte ich mich am Start natürlich gleich im vorderen Drittel auf. Dass mir ja keiner im Weg steht und ich ungestört meinen Füßen freien Lauf lassen kann. Zur Spitze der Frauen gehörte ich mit meiner Vorgabe, unter 8 Stunden zu laufen, natürlich bei Weitem nicht, was mich nicht daran hinderte beim Startschuss gleich loszusprinten. Die Worte meines Vaters, am Anfang nicht zu übertreiben und das Ganze lieber ruhiger anzugehen, waren plötzlich wie ausgeblendet und ich lief voller Tatendrang weiter. Viele kamen mir direkt langsam vor und in meinem (kurzweiligen) Hoch der Gefühle überholte ich lässig gleich noch ein paar Teilnehmer.

Ich darf die ersten 15 Kilometer aber auch nicht schlafen, wurde mir im Training einmal gesagt, was ich mir äußerst zu Herzen nahm. 28 Minuten und ca. 5 Kilometer später bereute ich es bereits zutiefst. Das unbequeme, später schmerzhafte Stechen machte sich zum ersten Mal auf meiner linken Seite bemerkbar und ich wäre am liebsten sofort stehen geblieben. Einen Gang zurückschalten, fleißige Atemübungen und mindestens zehn Stoßgebete konnten aber leider nicht verhindern, was ich bereits wusste: Das Seitenstechen würde sich für den restlichen Verlauf der Strecke, und das war ja immerhin noch fast alles, nicht mehr von mir verabschieden. So lief ich mit meinem neuen, treuen Begleiter in der Bauchgegend, natürlich auf der rechten und der linken Seite, die restlichen 47 Kilometer bis nach Pertisau. Ein Unterfangen, das mir bei Minute 50 schon schier unmöglich schien und was ich nur mit viel innerlichem Fluchen, Zähne zusammenbeißen und dem unglaublichen Willen meine persönliche Zeitvorgabe zu erreichen, schaffte. Die letzten 9 Kilometer wurde ich von Papa und meinem Freund ins Ziel begleitet, die ich sonst vielleicht gar nicht mehr gelaufen wäre. So ging sich eine Zeit von 07:07 Stunden aus, mit der ich überglücklich und wahnsinnig stolz bin. Nächstes Jahr knacke ich dann hoffentlich die 7 Stunden-Marke, meine zwei treuen und schmerzhaften Begleiter die Seitenstechen werde ich 2017 aber zu Hause lassen.

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